17.05. Segen

Segen für den Tag

Der Herr sei vor dir,

um dir den rechten Weg zu zeigen.

 

Der Herr sei neben dir,

um dich in die Arme zu schließen und dich zu schützen.

 

Der Herr sei hinter dir,

um dich zu bewahren

vor der Heimtücke böser Menschen.

 

Der Herr sei unter dir,

um dich aufzufangen,

wenn du fällst,

um dich aus der Schlinge zu ziehen.

 

Der Herr sei in dir,

um dich zu trösten,

wenn du traurig bist.

 

Der Herr sei um dich herum,

um dich zu verteidigen,

wenn andere über dich herfallen.

 

Der Herr sei über dir,

um dich zu segen.

 

(Sedulius Caelius, 5.Jh.)

Ihr Sagayanathan Savarimuthu
 

16.05.2020 „Näher, mein Gott, zu Dir!“

Auf einer Wanderung zur Alpenüberquerung fand ich in einer kleinen Kirche, in einem noch kleineren Bergdorf in Südtyrol eine Variante des englischen Chorals: „Nearer, my God, to thee“, (London 1841) Daraufhin erbat ich die Genehmigung, diesen Text zu übernehmen, was mir auch gewährt wurde.

Der hoffnungsfrohe, österliche Text hat mich sehr bewegt. Eine tiefe, freudige Sehnsucht nach dem liebenden und heilenden, bzw. Heil schaffenden Gott wird hier ausgesprochen. Und somit möchte ich Sie daran teilhaben lassen.

Näher, mein Gott, zu Dir, näher zu Dir!

Scheiden wir einst von hier, nimm uns zu Dir.

Schenk uns Geborgenheit in deiner Herrlichkeit.

Näher, mein Gott, zu Dir, näher zu Dir!

 

Näher, mein Gott, zu Dir, im Auferstehn:

Lass, die uns anvertraut, Dein Ostern sehn. Schenk

Nach der Erdenzeit Freude in Ewigkeit. Näher,

mein Gott, zu Dir, im Auferstehn.

 

Näher, mein Gott, zu Dir. Mit sichrer Hand führ,

die mit uns gelebt, ins Gelobte Land. Öffne die

Herzen weit für Deine Seligkeit. Näher, mein Gott,

zu Dir, näher zu Dir!

 

Näher, mein Gott, zu Dir, näher zu Dir! All´ unsere

Wege, Herr, führen zu Dir. Heile, was uns verletzt,

all´ Falschheit wird´ ersetzt. Näher, mein Gott, zu

Dir, näher zu Dir.

 

Näher, mein Gott, zu dir, mit Freund und Feind!

Wann endlich wird, was trennt, in Dir vereint? Der

Himmel öffnet sich nicht nur allein für mich.

Näher, mein Gott, zu dir, mit Freund und Feind!   [T: Bernhard Oberparleiter (*1962) 2012]

 

Ihnen allen Gottes Segen

 

Und meinerseits viele Grüße

 

Karl-Heinz Hense

 

15.05. Die Macht des Wortes und die Schwäche des Schweigens

Jede Gemeinde lebt davon, dass Menschen sich für sie einsetzen. Es gibt da immer noch imponierend gute Beispiele und auch die letzten „Corona-Wochen“ mit ihrem „etwas anderen Gemeindeleben“ haben uns gezeigt, welche guten Kräfte in uns stecken. Da kamen phantastisch viel guter Wille und eine erstaunliche Kreativität zum Vorschein. Dafür müssen wir dankbar sein.

Vielleicht haben wir auch etwas gelernt. Bei neuen Herausforderungen und Bedrohungen ist es wichtig, miteinander neue Wege zu suchen. Diesen Prozess beschreibt die Apostelgeschichte in dieser Woche. Es gab ein großes Problem. Gilt für die Heidenchristen das Gesetz des Moses mit der Beschneidung oder gilt es nicht?  Es gibt lautstarke Aufregung, zwei Parteien und man hat ein Problem. Aber man findet einen Weg. Die Gemeinde sendet zwei Abgesandte nach Jerusalem und bittet um eine Klärung. Die Antwort ist eindeutig. Es geht ohne die Beschneidung.

Was hier geschieht, ist äußerst beherzigenswert für unsere Gemeinden. Ein Problem taucht auf, Parteien bilden sich, man sucht eine Lösung. Das geht nur indem man miteinander spricht. Wir haben viele Räte, Gremien, Konferenzen und Gesprächskreise in den Pfarreien, aber alle diese Zusammenkünfte sind keine „Quasselklubs“ wie man mitunter glaubt, sondern der einzige  Weg, Herausforderungen anzunehmen, und Probleme zu lösen.  Die Apostelgeschichte dieser Woche hat da viele Beispiele. Menschen reden miteinander aber nicht nur miteinander, sondern sie beten und reden damit auch mit Gott. Das ist eine supergute Kombination.

                                                                  P. Heinz Josef Catrein SSCC

14.05. Freude

„Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird“. (Joh 15,11) In diesen Worten aus der Abschiedsrede Jesu an seine Jünger geht es um Freude. Abschied und Freude passen nach unserem rein menschlichen Empfinden nicht zusammen. Mit einem Abschied verbinden wir eher das Gegenteil von Freude, nämlich Traurigkeit und Wehmut. Doch Jesus spricht hier von „Freude“, von der „vollkommenen“ Freude, die er seinen Jüngern schenken will.

   Zugleich zeigt er ihnen auch, wie sie in der Zeit nach seinem endgültigen Weggang zum Vater den Weg zur Freude finden: „In seiner Liebe bleiben“. Und sie bleiben in seiner Liebe, wenn sie seine Gebote halten. Dieses „In – seiner – Liebe Bleiben“ darf nicht romantisch verstanden werden. Das hat nicht in erster Linie mit den positiven Regungen des menschlichen Herzens zu tun.  Es klingt schön, doch das hat wenig mit Gefühlen zu tun.

    „Gebote halten“ – das klingt nicht so romantisch, das klingt für viele Ohren eher streng, vielleicht auch anstrengend. Es mag klingen nach Ordnung und Disziplin, nach Vorschriften, danach, dass man das, was einem Spaß macht, möglicherweise nicht tun darf, weil es gegen seine Gebote verstößt.

   Es kann gut sein, dass die meisten Menschen mit „Geboten“ negative Assoziationen haben.  Es ist gut, dass Jesus in diesem Zusammenhang von „Freude“ spricht. Denn darum geht es in seiner „Frohen“ Botschaft, um die Freude als Geschenk und als Auftrag zugleich. Hier geht es um das Vertrauen in die Worte Jesu, dass er uns die „vollkommene“ Freude schenken will, auch wenn das Halten seiner Gebote für uns der schwere Weg ist, auch wenn das Verstoßen gegen seine Gebote für uns der bequemere Weg erscheint. Wenn das Einhalten dieser Gebote sich für uns als schwierig darstellt, wenn es uns Überwindung kostet, genau dann sollten wir vielleicht bedenken, dass es letztlich um die Freude geht  Denn hier geht es um die echte Freude des Lebens und nicht um die nicht selten fragwürdigen Freuden, die ein Mensch im Leben erleben kann.

   Durch diese Worte Jesu können wir uns immer wieder motivieren lassen, auch dann in seiner Liebe zu bleiben, auch dann seine Gebote zu halten, wenn es uns schwerfällt. Für diese Freude, die aus der Liebe zu Jesus und zu seinem Wort kommt, lohnt es sich, auch ein Opfer auf uns zu nehmen. 

   Das Halten der Gebote Jesu ist als Voraussetzung und zugleich als Ausdruck der Liebe zu unserem Herrn zu verstehen.  Das ist nichts anderes als das, was man Gehorsam bezeichnen kann. „Gehorsam“ – ein von vielen mittlerweile sogar in der Kirche falsch verstandenes Wort. Doch bei allen Schwierigkeiten, die man heute mit diesem Begriff haben kann, Gehorsam bleibt im christlichen Sinne des Wortes eine Haltung der Liebe, wie es uns Jesus in seinem Gehorsam dem Vater gegenüber bis in den Tod gezeigt hat. Sogar die Etymologie des in unseren Sprachen so verbreiteten und verwendeten Wortes „Familie“ deutet auf diese Haltung der Liebe im Dienen. (lt. „famulus“ bedeutet „Diener“). Also das Wort bezeichnet schon semantisch eine Gemeinschaft, in der sich alle Mitglieder aufgerufen sind, einander in Liebe zu dienen, was allerdings auch für die Gemeinschaft der an Gott und Christus Glaubenden gilt.

 

Antonel Lenghen    

13.05. – Moderne Bekenntnisse

Wenn ich in meiner Freizeit Geschichten schreibe, dann höre ich manchmal Musik. In den letzten Wochen hat mich z.B. „All my Tears“ begleitet. Das Lied ist eine Art Glaubensbekenntnis und besteht aus den Hoffnungen und religiösen Vorstellungen des lyrischen Ichs.

Auch diejenigen, die in die Fußstapfen Jesu zu treten versuchen, geben durch ihre Missionsarbeit, von der die Apostelgeschichte berichtet, ein Bekenntnis ab und das ist manchmal gar nicht so einfach. Auf die Zeilen des oben genannten Liedes möchte ich in schlichteren Worten nun antworten:

 

Listen to the singing bells,

And the stories, they’re not tales;

I enter the gloomy shrine,

With all the demons of mine;

I sink down, begin to pray,

But the shadows don’t go away;

And I felt it in my bones,

All the saints are made of stones;

I think there is nothing left to say,

But I have no cause to run away;

So I roam the church with my eyes,

To see many pictures full of lies;

The dove is just made of glass,

Looking to gold and silver in mass;

That Jesus is nothing more than wood,

Not bad, but also not good;

There is no wine to drink any more,

So don’t ask any deeper lore;

In this mood I turn around,

To perceive sunshine on the ground;

That’s a spell I cannot break,

It’s my soul he wants to take;

His eyes seem like a ring of fire,

Elate my mind to something higher;

Burning to my darkest night,

Flows a colourless, restless light;

Burn me down, yeah, I will shatter,

To live or die, what would be better;

Every heart must be broken in the end,

That’s written in the palm of my father’s hand;

But your voice tells me your mind,

Makes me better and makes me kind;

I can hear the range of your ghost,

On the book I hate and love the most;

In my chest there is a noise,

But I swear it’s not my voice;

You don’t ask for my sin and hate,

So darkness begins to fade;

Maybe I fell down and fell asleep,

But where is only you there is no deed;

Oh, my life begins to break,

It was not my breath you like to take;

I can’t see your face at church,

It’s an idle, bitter way to search;

But there is no need to howl,

Because I can sense you in my soul;

This truth men neither catch nor see,

But listen, I know from now I’m free.

 

12.05. Einladung zum gemeinsamen Frühstück

Das ganz Besondere am 23. Kapitel des Johannesevangeliums lag 2016 für die Gemeinde St. Christophorus darin, dass dieser Text die aktuelle Pastoral einleitete.

Ohne es allzu technisch klingen zu lassen: das Johannesevangelium vom Fischfangwunder auf der "anderen richtigen" Seite ist das Konzept der Gemeindeverantwortlichen und das Leitwort für die damals veröffentlichten Leitsätze. All das nachzulesen im Pfingstpfarrbrief 2016 der Gemeinde.

Jesus kann nämlich nicht nur Abendmahl, sondern als Auferstandener am frühen Morgen seiner jungen Kirche lädt er die Aktiven zum Holzkohlefeuer-Frühstück ein.

Sie merken, dass ich die bildreiche Sprache des Johannes gerne weiter nutze, um diese Bilder neu zu füllen, denn sie sind Grundlage und Zukunft unserer gemeindlichen Arbeit. Es tut gut zu wissen, dass die junge Kirche ebenso mit ihren Entscheidungen gerungen hat, manchmal frustriert mit leeren Netzen dastand und doch im Vertrauen auf das Neue erfolgreich war. Dieses Neue ist der österliche Herr, der mit Altem schon mal heftig bricht, weil er die ganze Kirche im Blick hat. Die Jünger sollen nämlich das Gewohnte lassen, aus der Komfortzone heraus und mutig der Inspiration folgen. Diese Begeisterung kommt nicht aus dem Nichts, sondern sind die Worte Christi. Er sagt, dass bei Erfolglosigkeit schon ganz anders gehandelt werden muss.

Die neue rechte Seite (in diesem Falle nicht politisch belastet) des Fischens, "das bedeutet in der Bildwelt der Menschen damals viel mehr. An der rechten Seite des Altares, ist zum Beispiel dem Zacharias ein Engel erschienen, der Engel, der ihm die Geburt seines Sohnes ankündigte. Auf der rechten Seite des Grabes saß der Engel, der am Ostermorgen die Auferstehung kundgetan hat." (Jörg Sieger)

Die heutigen Jünger*innen (Gemeindeaktiven) haben diese Aufforderung für sich entdeckt in der Wertschätzung des bisher Geleistetem und in der Freude auf das Kommende. Daraus wurden die beim Neujahrsempfang 2016 vorgestellten fünf Leitsätze, die nun für den reichen Fang dienen sollen. In diesem Sinne "Petri Heil" für die Zukunft und "Petri Dank" für alles Bisherige:

 

  • Kirche ist überall in Werne – und überall anders. Wir begegnen einander offen und gastfreundlich.

  • Wir feiern und verkünden den Glauben in unterschiedlichen Weisen. Wir nehmen die heutigen Lebenswirklichkeiten in den Blick.

  • Wir entwickeln das Ehrenamt weiter.

  • Wir schaffen Räume und Gelegenheiten für den direkten Austausch.

  • Wir übernehmen soziale Verantwortung.

Manfred Hojenski

11.05. Kommunion

Kommunion

Endlich dürfen wir wieder in der Kirche gemeinsam Gottesdienst feiern.

Wochenlang war es unmöglich, die Eucharistie zu empfangen. Es hat mich mehr erschüttert als ich vermutet hatte. Je länger ich nur am Fernseher oder PC mitbeten und mitsingen konnte, je mehr fehlte mir die Mahlgemeinschaft mit Gott und untereinander, die für uns katholische Christen doch zur Eucharistiefeier dazugehört.

Warum gibt es diese Form der Gemeinschaft, der „Kommunion“? Wir begegnen hier Gott und den Menschen in einzigartiger Weise.

Papst Paul IV. schrieb 1966: “Die Eucharistie … ist eingesetzt, damit wir Brüder und Schwestern werden; damit wir aus Fremden, Verstreuten und einander Gleichgültigen zu Menschen werden, die vereint und gleich, ja Freunde sind. Sie ist uns geschenkt, damit wir aus gleichgültigen, egoistischen Menschen, die untereinander gespalten und verfeindet sind, ein Volk werden, ein wahres Volk, das glaubt und liebt, das ein Herz und eine Seele ist“ (Insegnamenti, 355-359)

Chiara Lubich (1920-2008), Gründerin eine der großen geistlichen Gemeinschaften unserer Zeit, kommentiert das Jesuswort aus dem Johannesevangelium (Joh6, 51): „Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt.“ Sie schreibt: „Jesus versteht sich als Brot des Lebens. Das ist der letzte Grund seines Lebens hier auf Erden: Brot zu sein, um gegessen zu werden; verzehrt zu werden, um uns das Leben zu schenken.“ (Brot des Lebens, 2014)

Dankbar und froh grüßt Sie

Veronika Hembrock

10.05.

09.05. Der Mai ist gekommen

„Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus“, so heißt ein altes Volkslied, das zum Tanz in den Mai gerne um Mitternacht angestimmt wird. Der Tanz in den Mai ist in diesem Jahr aus bekannten Gründen ausgefallen, wie so vieles. Ich habe diese Zeit genutzt, öfters lange Spaziergänge mit dem Hund zu unternehmen. Dieses Jahr ist es mir aufgefallen, wie schon viele Jahre nicht mehr: Tatsächlich: Die Natur explodiert im Frühling vor Leben und Neu werden.

Wie schön, dass wir in dieser Zeit auch Ostern feiern: Jesus hat den Tod besiegt: Neues, nicht enden wollendes Leben. Davon erzählt auch ein Osterlied, das der Jesuitenpater Friedrich Spee im 17. Jahrhundert gedichtet hat: „Die ganze Welt, Herr Jesu Christ, in deiner Urständ fröhlich ist“, heißt es da – und die Melodie tanzt passend dazu im beschwingten Takt. Die ganze Welt, so sieht es Friedrich Spee, feiert Auferstehung. Überall kann man sehen und hören: Das Leben ist stärker als der Tod! „Jetzt grünet, was nur grünen kann – die Bäum zu blühen fangen an. Es singen jetzt die Vögel all – jetzt singt und klingt die Nachtigall. Der Sonnenschein jetzt kommt herein – und gibt der Welt ein‘ neuen Schein.“

Wenn die ganze Welt Auferstehung feiert, lässt mich das kalt? Für Friedrich Spee ging es dabei um mehr als um gute Laune im Frühling. Das Wiedererwachen der Natur war für ihn ein Sinnbild für die Auferstehung Jesu, für die Hoffnung auf neues Leben. Sein Lied singt von der Lebensfreude im wahrsten Sinne des Wortes – der Freude am Leben, das sich dem Tod widersetzt.

Ein Freund des Lebens war Friedrich Spee selbst. In einer Zeit, in der in Deutschland noch Frauen und Männer auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden, hat er gegen den Hexenwahn geschrieben. Die Folter, so eine seiner großen Erkenntnisse, helfe nicht dazu, die Wahrheit herauszufinden. Seine Schrift hat maßgeblich zum Ende der Hexenprozesse beigetragen.

So dem Töten entgegenzutreten und sich für das Leben einzusetzen, das erforderte Mut. Später betreute Spee verwundete und pestkranke Soldaten – mit nur 44 Jahren fiel er selbst der Pest zum Opfer.

So gehe ich nachdenklich durch die Natur: Wo setze ich mich für aufblühendes Leben ein?

08.05. Toleranz und Frieden

Heute am 8. Mai 2020 jährt sich die Kapitulation der Wehrmacht zum 75. Mal. Das Datum markiert das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa und wird als Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus gefeiert. In einigen Bundesländern soll er in diesem Jahr als Feiertag  begangen werden.

Das möchte ich als Anlass nehmen und einladen um Frieden zu beten, für unsere Zeit, in der Nationalismus, Populismus, Egoismus, Aus- und Abgrenzung in verschiedenen Staaten und in den Herzen vieler Menschen wieder um sich greifen; um eine Haltung der genseitigen Anerkennung  Toleranz  und der  gegenseitigen Unterstützung zu beten, gerade in der Zeit der Epidemie.

Dazu möchte ich zwei Gebete aus dem Gotteslob weiter geben:  

 

ein jüdisches Friedensgebet:

Möge es vor dir wohlgefällig sein,

Ewiger, unser Gott und Gott unserer Vorfahren,

dass du die Welt von Krieg und Blutvergießen befreist und stattdessen einen großen und wunderbaren Frieden in die Welt verbreitest,

dass keine Nation mehr das Schwert gegen eine andere Nation erhebt und keine Nation mehr den Krieg lernt.

Mögen alle Bewohner der Erde nur die volle Wahrheit anerkennen

und um sie wissen, dass wir in diese Welt nicht um des Haders und der Zwietracht willen gekommen sind – wovor Gott bewahre –

und nicht um des Hasses, der Eifersucht, der Aufreizung und des Blutvergießens willen, -was Gott verbiete.

Vielmehr sind wir in die Welt gekommen,

um dich anzuerkennen und dich zu kennen.

Mögest du gepriesen sein für immer.

(Gotteslob, Nr. 20,5)

 

Und ein Gebet von Hermann Schalück – (1939 ):

 

Dein Name, Herr, ist Leben, Friede, Schalom und Salam.

Dieser Name sei genannt und gepriesen von allen.

Mit allen, die diesen Namen kennen, bitten wir um Frieden

für die Nahen und im Frieden für die Fernen.

Um Frieden in den Herzen, Frieden in allen Zelten,

Häusern und Palästen.

Um Frieden zwischen den Religionen und Kulturen.

Um Frieden für die Schöpfung, die seufzt.

Zeige allen, wer du in Wahrheit bist.

Mache uns zu Werkzeugen deines Friedens.

(Gotteslob 20,3)

 

Pater Ernst

07.05. Gott hat uns nicht vergessen.

 

In dieser Zeit der Pandemie wünscht jeder für sich und für andere:                             Bleib gesund, hab Mut, keine Sorge, es wird Besser….

Paulus und seine Begleiter gingen in die Synagoge von Antiochia und wurden aufgefordert, dem Volk „ein Wort des Trostes“  zu sagen.

Die Verkündigung der Frohbotschaft ist Weitergabe des Wortes, das für die Menschen Trost bedeutet.

Für Paulus sind die Worte des Trostes eine umfassende Schau der Heilsgeschichte.  Die Geschichte des auserwählten Volkes hat so viel Positives an sich, daß dies ein Trost ist für die Zukunft:

Gott hat uns nicht vergessen! - Er hat uns Jesus Christus als Retter gesandt! 

Jesus Christus ist das Wort des Vaters, der in der Heiligen Schrift auch „Gott des Trostes“  genannt wird. - Auch den Heiligen Geist nennen wir „Tröster“ . - Jesus hat in seiner Sendung zu den Menschen oft auch Trost zugesprochen; zu einer Frau zum Beispiel: „Weine nicht!“,  zu seinen Jüngern: ``Fürchtet euch nicht``, ``Friede sei mit euch``

Das ist der Trost schlechthin, die Zuversicht, die wir haben, unsere Zukunft betreffend.

Auch uns sagt Jesus immer wieder durch die Worte der Heiligen Schrift:

Habt Mut, habt Vertrauen, fürchtet euch nicht.

Ihr

Sagayanathan Savarimuthu

06.05. „Niemand wird sie meiner Hand entreißen!“

Dieser Impuls begleitet mich seit vielen Jahren. Er stammt von einem Franziskanerbruder zum Evangelium vom guten Hirten.

 

„Niemand wird sie meiner Hand entreißen:“

Das sagt Jesus im Blick auf die, die zu ihm gehören, auch im Blick auf mich. Das sagt mir, dass ich in seinen Händen bin, dass mein Leben in seinen Händen ist. Ich vertraue: Bei ihm bin ich in guten Händen! Es gibt Hände, da wünsche ich: Hoffentlich gerate ich nie in diese Hände! Und wenn ich ihnen ausgeliefert bin, sehne ich mich: Könnte ich diesen Händen nur entrissen werden! Das sind Hände, die schlagen, foltern, Waffen benutzen, die ungerechte Urteile unterschreiben, die mit Fingern zeigen, die vor den Mund gehalten werden, um hinter ihnen Gemeinheiten zu tuscheln. Es gibt Hände, denen möchte ich entrissen werden, denen möchte ich die Menschen entreißen, die ihnen ausgeliefert sind.

Jesu Hände sind gute Hände, freundliche, zärtliche Hände:

-Hände, die heilen; fast alle Heilungen wirkt Jesus durch die Berührung mit seinen Händen;

-Hände, die die Sinne öffnen; er berührt und öffnet Augen, Ohren, …;

-Hände, die Brot brechen und teilen;

-Hände, die Wunden tragen;

-Hände, die freigeben, aber geöffnet, einladend bleiben;

-Hände, die zärtlich sind und die Kleinen umarmen.

Wer Jesus in die Hände fällt, fällt in gute Hände, in Gottes Hände.

Und wie geht es dem, der in meine Hände fällt?

 

Ihnen allen Gottes Segen

Und, von mir aus, viele Grüße

 

Karl-Heinz Hense

05.05. „Hör auf die Stimme!“

 

So heißt ein Lied von Marc Forster, bei dem es darum geht, der eigene Stimme in meinem Innern zu folgen. Bei aller Meinungsmache und Unsicherheit ermutigt er in seinem Lied, in sich hineinzuhorchen und der eigenen Intuition zu trauen. Ich finde das gar nicht so leicht, diese eine Stimme herauszuhören – zum Beispiel, wenn ich vor einer wichtigen Entscheidung stehe. Neben den Stimmen von Familienangehörigen oder Freunden mit unterschiedlichen Meinungen gibt es in meinem Inneren ein buntes Kabinett von Meinungsmachern und Stimmen, die – wie an einer Konferenztafel - in eine innere Auseinandersetzung treten. Da höre ich die innere Kritikerin, die mir sagt: Das geht doch gar nicht! Das wird doch nichts. Das muss perfekt sein! Die Ängstliche in mir meint: Es kann nur noch schlimmer werden! Ich schaff das sowieso nicht! Die Neugierige denkt: Warum nicht! Die Mutige sagt: Wird schon! Da gibt es einen Weg! Die Traurige meint: Ach, das hat doch alles keinen Zweck!
Vielleicht kennen Sie das auch: Ein inneres Stimmengewirr setzt ein, wenn es um eine Veränderung oder einen Richtungswechsel geht. Je nach innerer Verfasstheit meldet sich die eine oder andere Stimme besonders laut zu Wort. Da ist es schwer, das Richtige zu tun und der einen Stimme die Bedeutung zu geben, die mich weiter bringt.
Heute im Tagesevangelium spricht Jesus noch einmal mit der Stimme des guten Hirten, auf den seine Schafe hören und denen diese Stimme vertraut ist. Bei aller Schwerhörigkeit, die mich manchmal befällt, und bei allem Getöse, das mich umgibt, will ich es mir bewusst machen: Er ist da, er sieht mich und hält mich! Als guter Hirt begleitet er mich in meinem Leben. Im Stimmengewirr und mitten in der Geschäftigkeit meines Alltags ruft er mich. Erst wenn ich still werde und horche, kann ich ihn hören, vielleicht nur ganz leise aber doch da!

Maria Thiemann


So schließe ich heute mit einem Gebet von Eleonore Beck:

Ruf mich beim Namen

Ruf mich beim Namen, Herr,
wenn ich in der Menge der Namenlosen mitgehe
und nicht mehr frage: Wohin?

Ruf mich beim Namen,
wenn ich die Hoffnung
und mich selbst verloren habe.

Lass mich beim Klang deiner Stimme erkennen,
dass dir an mir liegt.
Ruf mich beim Namen,
geh mir voran,
wenn ich im Ungewissen deine Spur suche
und die Tür zum Leben.              

 

04.05. "Mein Gott!" -ein Gott nur für mich?

„Mein Gott!“ – ein Gott nur  für mich?

 

„Mein Gott!“ – wie oft entfährt Menschen dieser Ausspruch, auch solchen, die den Namen des Herrn nicht allzu oft im Munde führen.

Es ist schon interessant, dass wir den Gott des Himmels und der Erde mit einem besitzanzeigenden Fürwort belegen.

Wir haben also diesen Ausruf „Mein Gott!“, aber es gibt noch andere Dinge, die nachdenklich stimmen.  Wir oft und wie gerne beten wir zunächst einmal für uns und diejenigen, die uns nahestehen. „Lieber Gott – mach mich wieder gesund!“ Was mit all den anderen kranken Menschen? „Lieber Gott, beschütze unsere Pfarrgemeinde!“ Was mit alle den anderen Gemeinden und noch spitzer formuliert: was mit all den anderen, die sich weltweit in Synagogen, Tempeln, Moscheen oder Gebetshäusern sammeln. „Lieber Gott, beschütze unseren Papst und seine Kirche!“ Was mit all denen, die sich manchmal sogar mit Stolz ungläubig oder konfessionslos nennen?  Noch fürchterlicher – was mit denen die uns hassen?

Ist Gott nur mein Gott oder der Gott der aller Menschen? In der heutigen Lesung der Apostelgeschichte (Apg 10, 8) wird erzählt, wie schwer Petrus sich tat, den Glauben an Nicht-Juden zu verkünden. Sein Gott war der Gott seiner Väter – der Gott der Juden also, zu den Heiden fühlt er sich nicht hingezogen – noch schlimmer: der Umgang mit ihnen macht unrein

Es bedarf schon einer Vision vom Himmel, die Petrus auf die Sprünge hilft: „da kam eine Stimme vom Himmel; sie sagte: Was Gott für rein erklärt hat, nenne du nicht unrein!“

Petrus geht darauf hin zum ersten Mal in das Haus eines Heiden. Er hat gelernt, dass sein Gott der Gott aller Menschen ist. Haben wir dieses Lernziel schonerreicht?

                                                                                               Heinz Josef Catrein

03.05.

02.05. „Kind in der Mitte“

Wenn es um Kinder, vor allem um kleine Kinder geht, fällt schnell der Satz: „Oh wie süß!“ In unserer Gesellschaft, die kinderarm ist und romantisch, gibt es schnell den verklärenden, leider folgenlosen Blick auf das junge Leben. Als Jesus aber damals (Mk 9,30 ff) Kinder in die Verkündigung einband, hatte das einen starken und klaren Aspekt.

Er nimmt das Kind als Antifolie für viele erwachsene Fehlentwicklungen. Im Kind ist noch so viel positive Entscheidung möglich und je früher das Gute im Menschen sich anbahnt, um so besser. Wenn Einer/Eine von uns also in Begeisterung für ein Kind gerät, sollte der zweite Gedanke sein, was an diesem Kind mich selbst in Frage stellt und zum Besseren bringen will.

Z.B. sind Kinder im Krieg und auf der Flucht Mahnmale einer kinder- und menschenfeindlichen Gesellschaft. Am Ende bezeichnet uns Jesus als Kinder Gottes und schärft unsere Liebe für alle Menschen, egal welchen Alters. Was wir am Kind erkennen, gilt für die ganze Welt.

 

Manfred Hojenski

01.05. Josef der Arbeiter – am Tag der Arbeit

Alles ist anders in diesen Monaten. Ganze Berufsgruppen erfahren nochmals neu, dass Arbeit und damit ein geregeltes Einkommen zu haben, ein hohes Gut ist.

 

Viele Menschen sind aufgrund der Corona-Krise plötzlich voller Sorge und ihre Existenz. Ich denke an die Gastronomen und Köche, die Künstler und Schausteller, und an viele Menschen, die ihre Minijobs aufgrund von Sparmaßnahmen verloren haben.

 

Der Handwerker Josef, trug als Tischler und Schreiner vielleicht dazu bei, dass die Menschen ein Dach über dem Kopf hatten oder einen Tisch, an dem gemeinsam gegessen werden konnte.

Wohl dem, der in diesen Tagen ein solches Dach über dem Kopf hat! Wohl denen, die einen Tisch haben, auf dem auch etwas zu essen steht! Wohl denen, die noch die Möglichkeit haben, in Gemeinschaft mit anderen zu essen!

 

Am Tag der Arbeit, am Festtag des heiligen Josef, möchte ich Sie dazu einladen, an all jene weltweit oder auch in der Nähe zu denken, denen ein solches Dach über dem Kopf fehlt und an jene, die nicht wissen, wie sie an die nächste Mahlzeit kommen können, die kein sauberes Wasser haben, um den Durst zu löschen und die darum um so mehr von Infektionen und Krankheiten bedroht sind.

 

Heiliger Josef, Dir waren im Leben Arbeit und existenzielle Sorgen nicht fremd. Mit Maria und Jesus hast auch Du die Flucht ergreifen müssen.

Heute, am Tag der Arbeit bitte ich Dich, heiliger Josef, um Mut und Hoffnung und um tatkräftige Unterstützung für alle Menschen, die in unseren Tagen um ihre berufliche und leibliche Existenz bangen.

Wecke die Solidarität der Menschen untereinander! Öffne unsere Augen und Sinne für das was Not wendend ist. Heiliger Josef steh uns bei! Amen.

 

Brunhilde Oestermann-Giersch

 

 

 

 

30.04. Brauchtum

Und wieder fällt ein Brauchtum dem Virus zum Opfer. Der Tanz in den Mai wird nicht stattfinden.

In Lünen – Wethmar, wo ich wohne, ist es die freiwillige  Feuerwehr, die dieses Fest ausrichtet.

Eine Gelegenheit Menschen zu treffen, die man schon länger nicht gesehen hat,

mit ihnen zu feiern, und um 24.00 Uhr gemeinsam: Der Mai ist gekommen, zu singen. 

Ich erinnere mich gerne an diese Feiern, an das Tanzen, die Freunde und Bekannten,

die man traf und dass solche Begegnungen Gemeinschaft fördern.

Jeder und jede von ihnen werden solche Erfahrungen gemacht haben und sicher bereits vermissen.

Hinzu kommt, das an  Festen, Feiern und kulturellen Ereignissen, ob gesellschaftlich, kirchlich  oder privat, viele Existenzen hängen.

Und oft unterstützen die Einnahmen ehrenamtliche Tätigkeiten, die so notwendig sind. So z. B. die  Freiwilligen Feuerwehr.

Wir werden uns immer bewusster, was unser Zusammenleben ausmacht, wie uns Feste und Feiern prägen, wie sehr sie zu unserer Kultur gehören!

Im Lied: Der Mai ist gekommen, beginnt die zweite Strophe mit dem Satz:

Da bleibe wer Lust hat mit Sorgen zu Haus. Der Dichter Emanuel Geibel ahnte im Jahre 1841 nicht, dass 2020 genau das geschieht,

das viele mit Sorgen zuhause bleiben. Nähe und Zuneigung durch Abstand zeigen, auf Feste und Feiern, auf Reisen in die weite Welt verzichten müssen.

Erst langsam beginnt ein wenig Leben nach außen hin, es ist ein Versuch, der vorsichtig gestartet wird. Genau wie in unserer Kirche und Gemeinde.

Gottesdienste wieder feiern zu dürfen ist so ein Versuch, unser Glaubensleben wieder zu beleben.

Mit genügend Abstand, aber mit der Erfahrung, nicht allein zu sein. Eine stärkende und tröstende Aussicht.

Ich freu mich darauf. Auf das gemeinsame Beten, Singen, gesegnet werden, die Kommunion

und das Wiedersehen mit Menschen, die ich hoffentlich trotz Maske wiedererkenne.

Bis dahin alles Gute, bleiben sie hoffnungsvoll und gesund.

Ihre Pia Gunnemann

29.04. Verfolgung

Lesung aus der Apostelgeschichte

An jenem Tag brach eine schwere Verfolgung über die Kirche in Jerusalem herein. Alle wurden in die Gegenden von Judäa und Samarien zerstreut, mit Ausnahme der Apostel. Fromme Männer bestatteten Stephanus und hielten eine große Totenklage für ihn. Saulus aber versuchte die Kirche zu vernichten; er drang in die Häuser ein, schleppte Männer und Frauen fort und lieferte sie ins Gefängnis ein.

 

Die heutige Lesung hallt durch die Geschichte. Verfolgung ist die Demaskierung einer gottlosen Gesinnung. Selbst der Apostel der Kirche - der Saulus Paulus - startet mit der Verfolgung, um die Kirche zu vernichten. In einigen Staaten ist diese Art Christ*innenverfolgung weiter im Programm. Nicht umsonst sehen wir zwei Bilder,.denn Verfolgung geschieht in vielfacher Richtung. Unser Land steht mit dem Holocaust als abstruser "Weltmeister" der Verfolgung dar. Ausser dem Sündenbock der jüdischen Gemeinschaft wurde reichlich weiter verfolgt: Homosexuelle, Roma, Sinti, Kommunist*innen, Journalist*innen ...

Scham, Reue und Eingeständnis dagegen sind schwerlich zu erreichen und doch haben viele Friedfertige und Weitsichtige in unserem Land genau dieses über die Jahrzehnte auf den Weg gebracht.

Hier liegt die (biblische) Hoffnung, dass Menschen einander achten.

 

Manfred Hojenski

28.04. Bedrängnis, Geschenk und Segen

Coronazeit! - für viele Menschen, auch für mich, eine Zeit der Bedrohung, der Bedrängnis. Zeit der Angst um die eigene Gesundheit, die meiner Brüder, der Deutschen und der Menschen aller Kontinente, aller Religionen und Weltanschauungen. Für sehr viele Menschen auch eine Zeit existentieller Sorgen und Ängste, um wirtschaftliche Einbußen und Ruin. Diese letzteren Sorgen brauch ich mir, - Gott sei Dank! - Ehrlich! - Gott sei Dank! - nicht zu machen.

Für mich persönlich empfinde ich diese Zeit aber auch als ein Geschenk:

Keine Gottesdienste vorbereiten und feiern, keine Predigten, was für mich immer mit einer gewissen Anspannung verbunden ist, aber auch Freude schenkt, die ich jetzt vermisse. Doch diese freie Zeit auch ein Geschenk. Zeit der Erholung. Geistig und körperlich: Lesen, mal nichts tun, sehr viel Rad fahren. Und das bei dem schönen, frühlingshaften Aprilwetter. Die Sonne, die blühende Natur genießen. Staunen: - „Mein Gott, wie schön ist deine Welt“.- Zeit der Einkehr. Und nicht nur innerliche Einkehr, auch im wörtlichen Sinne: körperlich. – Nein nicht in einen Gasthof, um ein Bier zu genießen.. – Das vermisse ich schon dabei. Nein, Einkehr in eine Kirche. So in das Kirchlein St. Johannes der Täufer im „Venner Moor“.

Da wurde ich dann wieder an „Corona“ erinnert, durch ein Gebet eines unbekannten Verfassers, das als Gebet des Monats April

auslag.

Dieses Gebet möchte ich weitergeben und zum Mitbeten einladen:

Himmlischer Vater, sei mit deinem Segen und deiner Kraft in dieser Stunde der Bewährung bei uns.

Lass uns besonnen und mutig durch diese schwere Zeit gehen.

Halte unser Herz offen für die Not und die Bedürfnisse unserer Nächsten – in unserer Stadt, in unserem Land und auf der ganzen Welt.

So erfahren wir deinen Segen und werden zum Segen füreinander.

Wir bitten dich an diesem Tag besonders für jene Menschen, die durch die Krise um ihren Arbeitsplatz fürchten und nicht wissen, wie es weitergeht.

Uns alle stärke durch deine Gegenwart.

Darum bitten wir dich durch Christus unsern Bruder und Erlöser. Amen

(unbekannter Verfasser)

Sei mit uns mit deinem Segen


 

Darum bittet mit Ihnen Pater Ernst


 

27.04. Lachen

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben,

In dieser österlichen Zeit sind viele von uns erfüllt von der Begegnung mit dem Auferstandenen.

Wir wünschen, dass auch unser Alltag von unserem Glauben geprägt wird.

Wie fängt man das an?

Jeder Tag sollte mindestens einen guten Gedanken haben – für sich selbst, aber auch für andere.

Ein gutes Wort tut allen so gut. Das sollten wir nicht nur dankend entgegennehmen, sondern auch anderen gönnen.

Wunderbar wirkt ein fröhliches Lachen. Es gibt die Begabung, uns in jeder Position zum Lachen zu bringen. Auch wir können bei anderen ein Lachen hervorrufen.

Haben wir es schon ausprobiert?

Das Wichtigste ist aber, an jedem Tag zu wissen, dass wir von Gott geborgen, ja von ihm geliebt sind.

Dieses Bewusstsein ist ein Geschenk, das schenke uns und Ihnen täglich der Herr.

Bleiben Sie gesund.

Ihr

Pfr.Sagayanathan Savarimuthu

26.04. Apostelin der Apostel

Maria von Magdala, später Apostelin der Apostel genannt. Im Evangelium eine zutiefst trauernde Frau, die von der Liebe zu Jesus zu seinem Grab getrieben wird. Bei ihr reicht ein einziges Wort, welches der Auferstandene zu ihr spricht „Maria“ und sie erkennt ihn.

Zwei andere Jünger Jesu wissen nicht weiter und doch gehen sie weiter, nämlich sie gehen weg vom Ort der Kreuzigung Jesu. Sie sind ausgebrannt, resigniert, am Ende. Die Trauer und die Enttäuschung haben sich wie ein Nebel um sie gelegt, sie sind nicht fähig, klar zu sehen. Bei ihnen benötigt der Auferstandene viel Geduld, er muss ihnen durch die gesamte heilige Schrift erklären, was über ihn geschrieben steht. Sie fühlen sich schon auf dem Weg getröstet und ihnen brannte das Herz. Doch noch immer erkennen sie den Herrn nicht. Worte allein dringen nicht bis zur Erkenntnis Jesu durch, erst die handfeste Geste Jesu, das Brechen des Brotes, hilft ihnen.

Dem einen wird die Erfahrung einer Maria von Magdala geschenkt. Andere finden sich, fragen auf dem Weg, wie die beiden Jünger. Sie benötigen eine Erklärung, einen, der mit ihnen geht, der sie zutiefst versteht und sich durch handfeste Gesten und Zeichen fassbar macht.

Ich wünsche uns allen in dieser Zeit und ich vertraue fest darauf, dass wir begleitet werden und zu einer tiefen Erkenntnis des Auferstandenen finden, und zwar so, wie es eine jede, ein jeder von uns, ganz individuell annehmen kann. Jesus, der Christus, geht jeden Weg mit uns!

 

So segne Sie unser Gott

Und Ihnen viele Grüße

Karl-Heinz Hense

25.04. als Schreiben ein Luxus war

 

Der Evangelist Markus - er schrieb als Schreiben ein Luxus war

 

Die längste Zeit der Menschheitsgeschichte war das Lesen und Schreiben eine geheime Kunst, die nur wenige Auserwählte beherrschten. Selbst das älteste in Deutschland geltende preußische Schulpflichtgesetz ist gerade mal 300 Jahre alt.

 

Heute feiert die Kirche einen ihrer „Schreiberlinge“ – den Evangelisten Markus. Das älteste Evangelium entstammt seiner Feder. Es ist ein eigenartiges Evangelium. Er fällt gleichsam mit der Tür ins Haus, indem er die Weihnachtsgeschichten weglässt und direkt mit der Taufe Jesu im Jordan beginnt. Bibelwissenschaftler erzählen uns, dass sein Griechisch schlecht und sein Wortschatz gering ist. Der Auferstehungsbericht am Schluss ist offenkundig von anderer Hand ergänzt worden. Aber Markus galt von Anfang an in der Kirche als zuverlässiger Zeuge und   eine Quelle die Matthäus und Lukas in großem Umfang benutzten.

 

Da setzt sich offenbar ein einfacher Mann hin und sammelt die mündlich überlieferten Geschichten um Jesus von Nazareth. Er  schreibt sie als erster nieder, als es ungewöhnlich war zu schreiben. Er versucht Unfassbares in Worte zu bringen. Im Originaltext lautet dies so: „nachdem man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, ging Jesus wieder nach Galiläa; er verkündete das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!“ (Mk 1,14.15)

 

Das Mühen des Markus galt nicht nur seinen Zeitgenossen,  sondern auch uns. Er will auch uns Jesus Christus nahebringen. Das ist nicht so einfach, weil wir in Gedrucktem aller Art nahezu ertrinken. Die Gefahr wichtige Texte zu übersehen ist daher groß.

Markus hat sein Leben einem Buch gewidmet Der Glaube an Christus drängt ihn zu schreiben, denn er hat erfahren: in IHM ist das Heil aller Menschen.

                                                                                      Heinz Josef Catrein

 

 

 

24.04. Brotvermehrung

Die Brotvermehrung (Joh 6, 1-15)

   Es ist eines der bekanntesten und spektakulärsten Wunder Jesu, das uns heute der Evangelist Johannes erzählt: die Brotvermehrung Jesu am See Genesareth. Sie wird aber am wenigsten geglaubt. Es lässt sich nicht vorstellen, wie sich Brot und Fisch in den Händen eines Menschen vervielfältigen können.

   Wir sind heute eine positivistisch eingestellte Gesellschaft, die alles wissenschaftlich erklären und verstehen will, und haben Schwierigkeiten, an die in den Evangelien berichteten Wunder Jesu zu glauben. Dabei vergessen wir, dass all das, was wir „natürlich“ nennen oder als „naturgegeben“ bezeichnen, das Leben miteingeschlossen, ein einziges Wunder des Schöpfers ist. Die Menschheit hat in den letzten Jahrhunderten und Jahrzehnten ungeheure Fortschritte in Sachen Wissenschaft und Technik erzielt. Doch was heißt das? Die Wissenschaft bemüht sich um die Erschließung von Phänomenen und Tatsachen, die sie selbst nicht möglich machen kann, die in der Schöpfung vorhanden sind.

   Man muss der Gefahr aus dem Weg gehen, Wissenschaft gegen Glauben auszuspielen. Sie sind keine Gegensätze. Mich bestärken gerade die Naturwissenschaften in meinem Glauben an den allmächtigen und allwissenden Schöpfer. Wenn heutzutage viele die Entstehung des Lebens und des Universums durch den reinen Zufall erklären wollen, ohne dabei mit zu bedenken, dass hinter all dem eine Intelligenz stehen muss, dann muss uns nicht weiter verwundern, dass viele den Glauben an Gott durch den Fortschrittsglauben ersetzt haben. Der Mensch scheint nur noch über die „Wunder“ seiner eigenen Leistungen zu staunen. Das Staunen über die Werke Gottes hat man vielerorts verlernt.

   Bei der Auslegung der Wunderberichte gibt uns Jesus selbst die Antwort, wie man mit seinen Wundern umzugehen ist.  Jesus will nicht, dass das Erstaunliche seiner Wunder betont wird, sondern dass sie als Zeichen verstanden werden, die seine Botschaft unterstützen. Wir spüren, wie zweitrangig es wird, sich über die historische Realität dieses Brotvermehrungswunder auseinander zu setzen. Gott verlangt nicht in erster Linie von uns, etwas für wirklich zu halten, mit dem wir keine Erfahrung machen können. Glaube ist etwas anderes.

   In der Nachfolge Jesu lädt uns Gott ein, uns auf seine Welt einzulassen, den Weg ins Ungewisse zu wagen, die Stille aufzunehmen und auszuhalten, die von dieser sich lagernden und dennoch erwartungsvollen Menschenmenge ausgeht. 

In unserem Evangelium geht es um mehr als nur um eine auf abenteuerliche Weise herbeigeführte Sättigung. Das Zeichen Jesu verweist auf jenen Hunger im Menschen, der mit irdischen Dingen nicht abgespeist werden kann.

   Das Wunder der Brotvermehrung gibt Jesus den Anlass in der Synagoge von Kafarnaum, ausführlich über das lebendige Brot, zu lehren, das vom Himmel herabgekommen ist, und das der Welt das wahre Leben schenkt: seinen Leib und sein Blut in der Gabe schlechthin an seine Kirche, in der Eucharistie.

Ihr Antonel Lenghen

    

23.04. Menschenwort – Gottes Wort

Haben Sie auch einen Tageskalender? Für jeden Tag des Jahres findet man dort einen klugen, lustigen oder besinnlichen Spruch mit Bild.

Ich habe zum Jahresanfang sogar 2 verschiedene Exemplare geschenkt bekommen. Der Kalender der Steyler Missionare zeigt heute einen Ausspruch von William Shakesspeare: „Erfahrung wird durch Fleiß und Müh erlangt“. Mein „Lichtblicke“-Geschenk zitiert für den 23. April Khalil Gibran: „Die Blumen des Frühlings sind die Träume des Winters“ Wie viele interessante Zitate sind da zusammengetragen worden. Oft nicke ich beim Blick auf das Tagesblatt zustimmend mit dem Kopf und denke: ja, das kann man wohl so sagen – und habe den Spruch bald vergessen. Morgen ist ja schon wieder ein neues Bonmot zu entdecken.

Ganz anders geht es mir mit Zitaten aus der Bibel. So manchen Ausspruch Jesu, Psalmverse, Abschnitte aus bekannten Erzählungen kann ich auswendig und freue mich, sie wieder zu hören. So auch heute. In der ersten für heute vorgesehenen Schriftlesung aus der Apostelgeschichte (Apg5, 29) hören wir Petrus und die Apostel: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“. Mit diesen Worten beginnen sie, im Verhör durch den Hohenpriester auf die Vorwürfe des Hohen Rates zu antworten. Sie können nicht anders, als Zeugnis zu geben von Jesus Christus, ihrem gekreuzigten und auferstandenen Herrn. Bis heute gibt es quer durch alle Religionen Menschen, gibt es Menschenrechts- oder Naturschutzaktivisten, die sich entschieden haben, mit ganzer Kraft, oft unter Einsatz des eigenen Lebens für das einzutreten, was sie als wahr und richtig erkannt haben.

„Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“. Mutig Zeugnis geben; unerschrocken den christlichen Glauben bekennen; keine faulen Kompromisse eingehen! Dafür steht dieses Apostelwort. Wie gut, dass es mir jedes Jahr in der Osterzeit wieder neu zugesprochen wird!                                                                      

Veronika Hembrock

22.04.

21.04.

20.04. Kostbarer als Gold …

 

 

Vor oder vielleicht auch noch angesichts  der Corona-Krise ist Gold eine im Wert sich steigernde Kapitalanlage. Doch auch  diese rettet nicht die Gesundheit und das Leben!

 

In der  Lesung aus dem 1. Petrus Brief des gestrigen Sonntags  bin ich auf ein anderes Goldstück aufmerksam geworden:

 

>> Deshalb seid ihr voll Freude, wenn es für kurze Zeit jetzt sein muss, dass ihr durch mancherlei Prüfungen betrübt werdet. Dadurch soll sich eure Standfestigkeit im Glauben herausstellen, die kostbarer ist als Gold, das im Feuer geprüft wurde und doch vergänglich ist, – zu Lob, Herrlichkeit und Ehre bei der Offenbarung Jesu Christi.<<

 

Aktuell gehen wir durch eine solche Prüfung. Wir erfahren nochmals deutlicher, dass Gesundheit ein Gut ist, das mit Gold nicht zu bezahlen ist. Was gibt uns Halt und Festigkeit in dieser Zeit der Erschütterung?  

 

Mich beeindruckt, wie die  weltweiten Maßnahmen zum Schutz vor dem Covid-19 –Virus die  Religionen in ihrer Ausübung dadurch eint, dass die Menschen in ihren Häusern beten und nicht in den dafür vorgesehenen öffentlichen Räumen.

Ob für  Juden, Christen oder Muslime, das gemeinsame Gebet in den Synagogen, Kirchen und Moscheen ist nicht möglich, aber weltweit erheben die Menschen ihre Herzen zu Gott, um ihn zu bitten, zu loben und zu preisen!

 

Mich berührt das sehr, ich weiß mich aufgehoben, mitgenommen und gestärkt durch diese weltweite konfessionsübergreifende Gebetsgemeinschaft.

Das ist für mich wirklich ein Grund zu Freude!

 

Darin wird  für mich erfahrbar, was Jesus der Frau am Jakobsbrunnen gesagt hat: >> Glaube mir, Frau, die Stunde kommt, zu der ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbetet. (….) Die Stunde kommt, und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden  im Geist und in der Wahrheit, denn so will der Vater angebetet werden. (Joh. 4. V21b u. 23) <<

 

Wir Menschen  können den Gott unserer Väter Abraham, Isaaks und Jakobs nicht sehen und ihn nicht beweisen, aber wir können Standfestigkeit gewinnen im Vertrauen auf ihn. Kostbarer als Gold ist Gott selbst als Ziel und Heil unseres Lebens.

 

Brunhilde Oestermann-Giersch

19.04. Zeugen gesucht

Wir kennen diesen Aufruf und haben ihn vielleicht schon in der Zeitung gelesen: Da ist ein Unfall passiert und jetzt suchen die Polizei oder die betroffenen Menschen Zeugen. Wenn es ungeklärte Situationen gibt, Verkehrsdelikte, Einbrüche oder andere Ereignisse, in denen Schaden entstanden ist, sind Zeugen wichtig. Sie können einen Hergang darstellen und erklären: Ja, so ist es gewesen. Vor Gericht können sie eine Aussage machen und damit zur Klärung eines Sachverhalts beitragen. Aber auch um bestimmte Tatbestände zu bestätigen, braucht man Zeugen – Trauzeugen zum Beispiel.

Eine Woche nach dem Osterfest feiern wir traditionell in der Katholischen Kirche den sogenannten weißen Sonntag. Der Name hängt vermutlich mit den weißen Taufgewändern zusammen, die die Neugetauften in der Osternacht anzogen und acht Tage lang bis zum nächsten Sonntag trugen.

Die Liturgie dieses Sonntags sieht traditionell das Evangelium vom ungläubigen Thomas vor. Als Auferstandener erscheint Jesus seinen Jüngern. Aber Thomas ist nicht dabei. Obwohl ihm seine Freunde bezeugen: „Wir haben den Herrn gesehen“, will Thomas es ihnen nicht glauben. Er kann es nur annehmen, wenn er den Auferstandenen mit eigenen Augen sieht und ihn berührt. Kurz darauf erscheint Jesus ein weiteres Mal und Thomas bekennt sich wirklich zu ihm.

Ich finde, dieses Evangelium bringt eine sehr menschliche Seite zum Klingen. Thomas ist unsicher und zweifelt. Es ist für ihn – genauso wie für uns manchmal - schwer zu glauben, was mit Jesus passiert ist. Den Glauben an die Auferstehung können wir nicht mit dem Verstand begreifen und schon gar nicht beweisen. Es bleibt eine Restunsicherheit, die uns keiner nehmen kann. Gott lässt sich nicht mit wissenschaftlichen Erkenntnissen belegen. Der Glauben lebt davon, dass wir uns einlassen und vertrauen. Aber dazu brauchen wir andere Menschen, die uns von dem erzählen und berichten, was sie für sich als tragende Botschaft erfahren und erlebt haben. Wir brauchen Zeugen, die von einer besonderen Art sind: Menschen, die begeistern und damit auch „über-zeugen“ können. Wir brauchen glaubwürdige Christen und Christinnen, die Wege aufzeigen, Mut machen und die auch Zweifel zulassen.

„Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“ Das sagt Jesus am Ende dem Thomas und meint damit auch uns. Ja, es ist nicht immer leicht, oft genug eine Herausforderung aber letztlich ein Geschenk zu glauben. Auch wenn wir Jesus als Auferstandenen nicht so erleben können wie seine Jünger damals, dürfen wir darauf vertrauen, dass er bei uns ist. Wir sind die Zeugen, durch die seine Botschaft weiter getragen wird. Und mag es noch so wenig sein, was wir von diesem Jesus von Nazareth verstanden haben, wir sollten es mit ganzem Herzen weiter geben an die, die es vielleicht im Moment besonders brauchen. Solche Zeugen werden immer gesucht.

Maria Thiemann

 

 

18.04. Ostern war nicht, sondern Ostern wurde!

Auch „moderne“ Christ*innen versteigen sich schon mal in romantische und biblizistische Auffassungen, wie die Welt erlöst wird und wie damals das erste Ostern war.

Mit Knall und Bum - und alle hätten' s sofort gemerkt und wir würden es auch einmal wie in einer riesigen Show erfahren.

Dabei steht es schon in der Bibel anders. Die Geburt in der Krippe konnte nicht unaufdringlicher sein. Der Wanderprediger namens Jesus war an gesellschaftlicher Bedeutung kaum unterbietbar, sein Tod scheinbar ein Debakel für die Jüngerschaft, bis ….. bis nach und nach klar wurde, dass Gott in, mit und durch Jesus die liebevolle und entscheidungsfordernde Botschaft des Heils und des Lebens brachte. Auch die ersten Christ*innen mussten langsam und vertrauensvoll das Österliche erst verstehen und leben lernen - so wie wir heute auch. Mit der Osterfeier endet nicht die Welt (damals nicht und heute nicht), mit der Osterfeier beginnt der Glauben gegen alle Trauer und gegen den Tod und an das Licht der Heilen Welt in allen Menschen guten Willens. In der Apostelgeschichte stehen die Geschichte der Erlösung und die Zeichen für das Österliche zu allen Zeiten: „ Ihr wisst, was geschehen ist, angefangen in Galiläa, nach der Taufe, die Johannes verkündet hat: wie Gott Jesus von Nazaret gesalbt hat mit dem Heiligen Geist und mit Kraft, wie dieser umherzog, Gutes tat und alle heilte. Und wir sind Zeugen für alles, was er getan hat bis zu seinem Tod. Gott aber hat ihn am dritten Tag auferweckt und hat ihn erscheinen lassen.“ (Apg 10) Geben auch wir Ostern diesen Raum.

Weiterhin frohe und gesegnete Ostertage! Halleluja!

Manfred Hojenski

17.04. Hoffnung

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben,

in diesen Zeiten möchte ich Sie  an den Segen Gottes erinnern, der uns für immer zugesagt ist.

Der auferstandene, Hoffnung gebende Herr sei mit Ihnen.

Ich habe ein Segensgebet mitgebracht, das mich gerade jetzt, am Frühlingsanfang berührt hat, das mir Hoffnung gibt, das mich tröstet, mit der Hoffnung, dass es auch sie alle in diesem Moment berühren könnte.

``Gott segne die Blumen an deinem Lebensweg,

ihre Farbe soll dich frohmachen,

ihr Duft soll dich trösten,

ihre Beständigkeit soll dir Frieden bringen.

 

Gott sende dir viele Blumen,

dass dein Vertrauen wachse,

dass deine Hoffnung bestehe,

dass deine Liebe blühe.

 

Gott gebe deinem Leben die Kraft zu blühen,

Liebe zu verschenken,

Freude weiterzutragen,

Hoffnung zu wecken.

 

Der Segen des lebendigen Gottes

Sei mit dir``

                                                                      (Helmut Kraft)

 

Bleiben Sie gesund.

 

Ihr

Sagayanathan Savarimuthu

16.04. Vater

UNSER VATER LÄSST SEINE KINDER NICHT IM TOD

 

Liebe Schwestern und Brüder,

leider unter dem Putz verborgen, aber dennoch in der ursprünglichen Apsis unserer Sophienkirche befindet sich ein Bild, ähnlich dem, das sie hier sehen.

Gott, der Vater thront. Er thront in seiner Herrlichkeit im Himmel.

Er schaut uns an, sehr wach, sehr lebendig – auch etwas bekümmert.

Er hat Kummer, wenn er uns sieht.

 

Wir Menschen versuchen zu leben, groß zu werden, stark zu werden, das Leben zu begreifen, zu packen; und doch immer wieder scheitern wir.

Er schaut die an, deren Leben sich kaum entfalten konnte, die Starken schaut er an, die oft auf Kosten der Schwachen stark wurden; die sich wohl fühlen und sich brüsten und die Schwachheit der Anderen noch mit Füßen treten – und wie auch sie schwach werden und verfallen.

Er sieht unsere Hoffnung auf Leben und unser Vergehen. Er sieht unsere Sehnsucht nach Heil und dass vieles im Unheil endete.

Das bekümmert ihn und er beschließt, sich endgültig um uns zu kümmern. Er tut dies, indem er Gott, den Sohn, Mensch werden lässt, indem er den gelobten Sohn in die Kümmernis des Menschseins fallen lässt, in der er umkommt. Er hält ihn hinein in das Unheil, er will ausdrücklich, dass der Sohn, jetzt unser Bruder, ganz und gar mitleidet, sich aufopfert im Mitleiden, unheil wird, in die Nichtigkeit, den Tod, sinkt.

 

Der Tod scheint ein bodenloses Loch – der Vater hält den geliebten Sohn  in den Tod, aber er hält ihn im Tod.

Er hält uns vor Augen: Seht, so sehr liebe ich Euch, dass ich meinen Sohn für Euch hingebe; und in diesem gestorbenen Sohn will ich Euch alle  im Tod halten und wie diesen geliebten Sohn werde ich Euch alle neu beleben – denn er ist ein für allemal und endgültig Euer Bruder und so wird er als erster seiner Schwestern und Brüder dieses neue Leben geschenkt bekommen, das ich für Euch alle immer schon geplant hatte.

 

In ihm, den ich Euch hinhalte, könnt Ihr dieses neue Leben begreifen. Gott, der heilige Geist, geht vom Vater aus und wird zur Leben spendenden Liebe für den toten Sohn. Und er wird auferweckt und zum Vater gehen und uns alle zu sich holen.

 

Der Vater will, dass er keinen von uns verloren gehen lässt.

UNSER VATER LÄSST UNS, SEINE KINDER, NICHT IM TOD.

 

Ich wünsche Ihnen von Herzen eine gesegnete Osterzeit

 

Pastor

Karl-Heinz Hense

 

15.04. Weitermachen

Drei Wochen schon liegen die Ausgangsbeschränkungen über dem Land. Sie sind allen eine Last: Großeltern, die ihre Enkel nicht sehen, Schankwirten, die kein Pils mehr zapfen, Künstlern, die kein Publikum mehr haben. Man sagt mit Recht, dass das Virus nicht nur die Menschen tötet,  sondern auch die Wirtschaft.  Alle sehnen sich nach dem Tag, an dem alle Begrenzungen fallen, und man wieder richtig loslegen kann.

Aber es ist so was mit diesem Tag. „Wann kommt dieser Tag?“  ist wohl die am nächsten liegende Frage. Leider sind die Antworten nicht so eindeutig. Wir werden uns in Geduld üben müssen. Die Einschränkungen werden nicht von heut auf morgen fallen.

Aber es gibt noch eine zweite Frage. „Wenn alle Beschränkungen aufgehoben sind, dürfen da ansetzen wo wir aufgehört haben? Dürfen wie einfach weitermachen wie bisher?

Eine wichtige Frage. Die Corona Krise hat uns auf beängstigende Weise gezeigt, dass die globale Gesellschaft gewaltige Risiken birgt. Nicht nur Viren bedrohen ein Land nach dem anderen. Es gibt lebensbedrohliche Mängel, wie etwa der Mangel an medizinischer Schutzkleidung, es gibt Hunger und Arbeitslosigkeit, und skrupellose Politiker missbrauchen die Krise um demokratische Errungenschaften auszuhebeln. Sind wir doch nicht so dumm und glauben, dass alles wieder automatisch gut wird, wenn die Pandemie abklingt. Eine solche Naivität ist genauso gefährlich wie das Coronavirus.

Wir dürfen nicht dort weitermachen, wo wir aufgehört haben. Die Coronakrise hat auch positive Erfahrungen gebracht. Menschen legen sich Selbstdisziplin auf und zeigen Solidarität. Menschen entdecken, wie viele Dinge man selbst machen kann: vom Fitnessprogramm auf dem Wohnzimmerboden bis hin zum selbstgenähten Mundschutz. Als praktizierende Christen entdecken wir auf einmal neue Formen der Verkündigung mit Hilfe elektronischer Medien.  Als globale Weltbürger erkennen wir, dass ein gutes  weltweites Miteinander mehr braucht, als nur einen reibungslosen Welthandel. Ziel der Weltwirtschaft darf es nicht sein, wieder schnell Profit zu machen, der dann wir früher nur einer Minderheit der Menschheit zu gute kommt. Es geht um eine solidarische neue Ordnung die allen nützt.

Vergessen wir nicht die guten Erfahrungen in dieser Krise. Es wäre schön, wenn wir sie gebrauchen würden um andersals bisher weiterzumachen.

                                                                                    Heinz Josef Catrein

14.04. Auferstehung

   Wir kennen heute die Gesetzmäßigkeit der Natur und bemühen uns um die Beherrschung des Weltalls. Ist die Botschaft von der Auferstehung Jesu uns zumutbar? Vielen mag diese Botschaft als eine sehr unglaubwürdige Kunde klingen. Und so stellt sich die Frage: Kommt heute bei den modernen Menschen die Osterbotschaft überhaupt an?

    Doch auch in früheren Jahrhunderten wurde diese Botschaft als eine sehr außergewöhnliche Kunde aufgefasst. Bereits im Neuen Testament selbst ist der Widerstand des sogenannten gesunden Menschenverstandes gegen die Osterbotschaft greifbar. Allen Evangelisten ist das Motiv des Zweifelns der Jünger bekannt. Nur widerstrebend und zögernd finden sie zum Glauben an den Auferstandenen. Die Kunde der Frauen schien ihnen wie ein „Geschwätz“. Die Jünger waren nicht ohne weiteres bereit, an die Botschaft der Auferstehung zu glauben. Erst nach einer regelrechten Demonstration durch Sehen, Betasten und Essen seitens der Auferstandenen gaben sie ihren Unglauben auf. Lukas berichtet in seiner Apostelgeschichte, dass diese Botschaft für die Griechen damals nicht weniger unglaubhaft erschien als für Menschen unserer Tage.

   Nicht also erst heute und aufgrund eines modernen Weltverständnisses, in dem für ein Wirken Gottes anscheinend kein Platz ist, klingt diese Botschaft für viele Menschen unglaubhaft.

   Die Schriften des Neuen Testaments lassen erkennen, dass es sich hier um ein einzigartiges Geschehen handelt, das nicht mit der Rede von der Rückkehr eines Toten in das Leben dieser Welt oder mit anderen in der Bibel erzählten Totenauferweckungen auf eine Stufe gestellt werden darf. Der auferweckte Jesus stirbt nicht mehr. Sein Leib ist nicht mehr den Bedingungen, den Gesetzen unserer irdischen Welt unterworfen. Der Auferstandene ist nicht mehr „Fleisch und Blut“, sondern durch Gottes schöpferisches Wirken ein „Geist-Leib“ und gehört der endzeitlichen Welt an. Deshalb ist er allen Versuchen der Kontrolle entzogen und nur für den von Gott dazu befähigten Zeugen erkennbar.

   Das, was die Apostel bei den Erscheinungen des Auferstandenen, erlebt haben, lässt sich mit unseren Begriffen und Sprechmitteln nicht ausdrücken. Denn es fehlt uns eine konkrete Vorstellung vom Auferstehungsleib, da wir diesseits des Todes leben. Auch für das Geschehen der Auferstehung selbst haben wir keine Vergleichsmöglichkeiten, keine entsprechende Vorstellung und keine adäquate Begrifflichkeit. Selbst der Begriff „Auferweckung“ oder „Auferstehung“ ist letztlich eine Metapher. Das Fehlen jeglicher Schilderung der Auferstehung in den Evangelien sollte uns da zu denken geben und auf den Geheimnischarakter der Auferstehung aufmerksam machen.

    Es handelt sich bei der Auferweckung Jesu von den Toten um die endgültige Überwindung der Todesmacht, um ein endzeitliches Geschehen, das von allen innerweltlichen Ereignissen unterschieden werden muss. Nur in einem analogen, aber wahren Sinn kann deshalb von „Geschehen“, von Tatsache gesprochen werden. Es fehlt uns eben dafür die adäquate Sprache. Dieses Geschehen und diese Tatsache übersteigt unsere Geschichte, steht aber doch auch in einer Beziehung in unserer Geschichte. Der historische Jesus von Nazareth, der am Kreuz starb, ist kurz nach seinem Tode, „am dritten Tag“ auferweckt worden.

   Da die Auferstehung die Grenzen unserer irdischen Erfahrungswelt durchbricht bzw. übersteigt, kann sie auch nicht in dem strengsten Sinne des Wortes bewiesen werden. Sie entzieht sich Beweisverfahren, die sich auf innerweltliche Phänomene beschränken.

  Für den Glaubenden bedeutet dieses Geschehen die Erfüllung all der alttestamentlichen Verheißungen Gottes, aber auch die Erfüllung dessen, wonach die Menschen aller Zeiten sich sehnten und sehnen. Die Verkündigung der Auferstehung Christi ist die Frohe Botschaft von der machtvollen Offenbarung Gottes in seinem Sohn, die Verkündigung der Wahrheit, die für unser Leben entscheidend ist. Gott existiert, er steht zu seiner Verheißung und er ist mächtiger als Leid, Ungerechtigkeit und Tod. Gott muss nicht der Gesetzmäßigkeiten seiner Schöpfung gehorchen.

   Die Verkündigung der Auferstehung Jesu sagt uns unmissverständlich, dass Gott da ist und wir auf ihn hoffen dürfen. Weil Christus in seiner Auferstehung über alle Mächte erhöht worden ist, sind wir nicht mehr blinden Mächten ausgeliefert. Wenn Christus aber der Herr ist, dann gehören wir nicht mehr uns selbst, sondern ihm.

13.04. Nach LK 24,13-35 bzw. Mt 28,8-15

 

Auferstehung …

So etwas gibt es nicht

Ich sage nicht mehr

Dass Gott da ist

Ich sage mir

Krankheit und Tod

Furcht und Sorge

Es geht zu Ende

Hoffnung und ewiges Leben

So etwas gibt es nicht

Ich denke nicht mehr

Welch eine Freude

Jesus lebt

 

 

 

Ist Ihnen das Gedicht zu destruktiv? Dann vollziehen Sie doch einen Perspektivwechsel!

Lesen Sie es noch einmal von unten nach oben!

 

Pastoralassistentin Antonie Krapf

12.04. Der Gärtner war‘s!

Keine Bedenken! Es geht hier um Ostern, um Auferstehung und wie wir es wahrnehmen, wie wir es für wahr halten können. Der historische Ostersonntag in Jerusalem auf dem Friedhof ist ein besonderes Glaubenszeugnis und durchsetzt von sinnstiftender Sprache in der Frohen Botschaft.

Die erste Auferstehungszeugin nach dem heutigen Johannes Evangelium findet sich in Maria von Magdala. Sie war auf dem Friedhof frühmorgens, um das schmerzvolle Grab zu besuchen. Mit großer Trauer im Herzen weint sie und findet …. eine Leerstelle. Moderner Auferstehungsglauben sähe genauso aus. Keine triumphale Glaubensgewissheit, sondern Verlust, Schmerz und Unverständnis sind die Begleiter.

Und selbst die Botschafter, die Engel, vermögen nicht, Maria mal eben in den Freudenmodus zu bringen. Zum Schmerz kommt die Orientierungslosigkeit. Und in diese hinein spricht der Auferstandene, den Maria für den Gärtner hält. In ihr begegnet uns somit der Prototyp eines gläubigen Menschen. Sie versucht Glauben und Alltagsrealität aneinander zu bringen: „Dieser unbekannte Mensch am Grab muss irgendeiner vom Friedhofspersonal sein.“ Sie erkennt den geliebten Jesus nicht wieder, weil Auferstehung nicht einfach Fortsetzung des irdischen Lebens ist. Er ist anders, er ist fremd und vertraut gleichzeitig. Letztendlich fällt ihr gläubiges Herz die Entscheidung, dass ihr Glaube den Sprung schafft, nachdem der Auferstandene ihren Namen ausspricht. Ihre österliche Antwort ist das kürzeste aller möglichen Bekenntnisse: Rabbuni (Meister). In diesem hebräischen Wort verkündet sich das ganze Osterfest. Die im wahrsten Sinne des Wortes wunderbare Verwechslung Jesu mit dem Gärtner öffnet die Bilderflut vom Schöpfer des Garten Edens, vom Wächter und Hüter, vom Unbegreiflichen im Garten Getsemani und vom endzeitlichen Erlöser zum Paradies der neuen Schöpfung.

Wer, wenn nicht der Gärtner, steht für all das Empfangene und zu Glaubende? Vielleicht hatte Maria sich gar nicht vertan, sondern nur die Rabbuni-Tiefe hinter dem Gärtnerischen noch nicht entdecken können. Ihr Osterglaube aber war damit genau auf die richtige Spur gekommen.

Ich wünsche ein frohes und gesegnetes Osterfest Euch und Ihnen allen und ich wünsche einen Glauben, der sich Wege in unsere Welten hinein gärtnert, damit wir gemeinsam unseren Rabbuni bekennen.

Manfred Hojenski

11.04. Meine Nacht kennt kein Dunkel

 

Es ist irgendwie eine Art Zwischentag: zwischen Karfreitag und Ostern. Gestern, am Karfreitag, stand für uns Christen das Leiden und Sterben Jesu im Mittelpunkt. Heute Nacht, morgen und übermorgen werden wir die Auferstehung Jesu feiern. Und heute? Was ist da die Botschaft dieses Tages, des Karsamstages?

Es ist die Totenstille, die Grabesruhe, die uns vor Augen gestellt wird. Jesus erleidet das Schicksal eines jeden Menschen, er stirbt und wird ins Grab gelegt. Familie, Freunde, Weggefährten sind in tiefer Trauer und Not. Es gibt nichts mehr zu tun, außer vielleicht zum Grab zu gehen. Man zieht sich ins Haus zurück. Gerade in der Dunkelheit, in der Nacht kommen die Gedanken, die Sorgen, Nöte, die Verzweiflung: wie soll es jetzt weitergehen?

Immer schon haben Menschen die Nacht als Sinnbild für den Tod betrachtet. Der verstorbene Aachener Bischof Klaus Hemmerle lenkt
mit dem Blick auf die Nacht des Todes den Blick auf Jesus,
wenn er schreibt:

„Meine Nacht kennt kein Dunkel.“
Dieses Wort aus der Laurentiuslegende
gilt für den, der die Augen nicht vor der Nacht verschließt,
sondern in ihr den erkennt, der für uns Nacht geworden ist
und so gerade das alles erleuchtende Licht.

Die Mitte der Nacht ist der Anfang des neuen Tages. Auch das dürfen wir Menschen immer wieder tröstlich erfahren. Und so dichtet Marie Luise Thurmair im Kriegsjahr 1941:

„Seht, aus der Nacht Verheißung blüht;
die Hoffnung hebt sich wie ein Lied
und jubelt: Halleluja.

Dass diese Worte Ihr Herz berühren, wünscht Ihnen heute

Veronika Hembrock

10.04. Karfreitag

Über Karfreitag zu schreiben ist ein Problem.

Wenn man genau erfassen will, was sich dahinter verbirgt, geht es nicht anders, als schwere theologische Sprache zu benutzen - Binnensprache – „Kirchisch“. Das hat den Effekt, dass man schnell abschaltet und nicht die Gedankenanstrengung unternimmt, sich auf dieses Thema einzulassen.

Ich habe dieses Jahr viel durch eines meiner Hobbies gelernt: Immer, wenn ich an einem Stoffladen vorbei gehe, schaue ich mal hinein, ob es nicht ein schönes Stück Seide gibt oder einen anderen Stoff, aus dem man ein schönes Gewand schneidern könnte. Es macht mir Spaß darüber nachzudenken: Wie könnte man es gestalten und wie wird es aussehen?

Wahrscheinlich lege ich auch deshalb Wert darauf, dass auf dem Altar ein schönes Altarleinen liegt, das mit für eine würdige Feier der Liturgie sorgt. Wenn wir Eucharistie feiern, feiern wir immer auch den Tod Jesu – Geheimnis des Glaubens: Deinen Tod, oh Herr, verkünden wir. Er gab sein Leben, damit wir bis in Ewigkeit heil werden.

Das ist in den letzten Tagen für mich sehr sinnbildlich geworden. Beim Schneidern für neue Altartücher bleiben immer Reste übrig, die wegen ihrer hohen Stoffqualität zu schade zum Wegwerfen sind. Diese Reste hat eine der ehrenamtlichen Schneiderinnen jetzt weiterverarbeitet und damit dem ganzen Projekt „Altartücher“ eine neue Symbolik gegeben. Wer die beiden Bilder betrachtet, kann daraus seine eigenen Konsequenzen ziehen…

 

Ich wünsche Ihnen einen stillen, bedenklichen und damit reichen Karfreitag.

 

Ihr

 

Jürgen Schäfer, Pfarrdechant

 

09.04. Mahlzeit

So haben wir vom Sachausschuss Gemeinde Life den heutigen Gründonnerstag überschrieben und hatten dazu einen besonderen Gottesdienst geplant. Rund um eine große Tischreihe in der Kirche Maria Frieden wollten wir uns mit den Erstkommunionfamilien und Gemeindemitgliedern setzten und das Motto der Erstkommunion „Alle an deinem Tisch“ wortwörtlich nehmen. Dabei sollte das Abendmahlsgeschehen, die Mahlzeit Jesu mit seinen Jüngern, ein Stück näher an uns herankommen. Gründonnerstag – der beste Tag, um Kommunion, also Gemeinschaft, zu feiern! Schade, daraus wird nichts! Aber auch wenn ich heute nicht in der Kirche feiern kann, will ich den Tisch zu Hause besonders decken und mit meiner Familie das letzte Abendmahl in anderer Form als sonst begehen. Ich will mich daran erinnern, wie Jesus damals mit seinen engsten Freunden an den Auszug Israels aus Ägypten gedacht hat. Dabei stelle ich mir vor, dass die Jünger gespürt haben: Dieser Abend ist anders als viele andere. Es liegt etwas in der Luft. Unsicherheit und sogar Angst machen sich breit. Jesus statuiert seinen engsten Freunden in den Zeichen von Brot und Wein und im Zeichen der Fußwaschung ein Exempel. Denkt an diesen Abend und daran, dass die Sorge und der Dienst für einander und für Eure Nächsten Euch groß macht vor Gott. Esst das Brot und trinkt den Wein in Erinnerung an mich. Tut dies zu meinem Gedächtnis. Wacht und betet, denn ich brauche euch. Auch ich habe Angst.
Das Brot, sein Brot schmeckt nach Abschied und nach Aufbruch. Sein Wein hat die Farbe des Blutes und der Liebe. Alle sind sie um seinen Tisch versammelt und begreifen doch nicht richtig, was da passiert. Wie können sie das auch! Sie stärken sich für die Nacht, die vor ihnen liegt und in der sich so viele menschliche Erfahrungen verdichten: Hoffen und Bangen, Vertrauen und Verrat, Versprechen und Verleugnung, Beisammensein und Einsamkeit, Liebe und Hass, Zweifel und Klarheit.
Wenn ich heute zu Hause bin, will ich besonders an die Menschen denken, die ganz allein an ihrem Tisch sitzen und gerne Gesellschaft hätten. Ich denke an die Menschen, die wie Jesus gerade viele Füße und Hände, Arme und Beine waschen und für andere ihren Dienst tun. Ich schließe die Menschen in meine Gedanken ein, die – wie Jesus – gerade Schlimmes durchmachen und viel Dunkelheit erleben. Meine Gedanken und mein Gebet können zwar menschliche Nähe nicht ersetzen, aber sie haben eine Wirkung. Daran glaube ich.

Maria Thiemann

 

08.04. Aufnahme

Lachen und Weinen

Halten den Menschen am

Leben

Und halten ihn nicht nur am

Leben

Sondern bewegen ihn auch

Nicht aufzugeben

Nicht bitter zu werden

Erfinderisch zu sein

Andere verstehen zu lernen

Einen Platz anzubieten

Vielleicht auch eine Suppe

Und Brot

Wärme zu verschenken

Es könne Christus selbst sein

Der um Aufnahme bittet

Und wer dies

Sich vorstellen kann

Hat alle Gewalt besiegt

Erlebt den Triumph des Glaubens

Und heilt den Frieden

Auf dass Gottes Erde

Heimat wird

Für alle Welt.

 

Hans-Dieter Hüsch

Ihre Brunhilde Oestermann-Giersch

07.04. Psalm

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben,

Jetzt gerade in der Karwoche wird uns bewusst, dass das Leben schwer sein kann. Wir gehen in diesen Tagen den Leidensweg Jesu gedanklich mit. Wie hoffnungslos sind wir oft und denken nicht an die Auferstehung, die uns Heil bringt.

Mit diesen Gedanken sind wir nicht allein, das ist eine menschliche Erfahrung, die der Psalmendichter vor Jahrhunderten auch schon ausgedrückt hat.

Ich lese aus dem Psalm 143 einige Verse vor:

Psalm 143: Bitte um Kraft und Hilfe

``Herr, höre mein Gebet, vernimm mein Flehen; in deiner Treue erhöre mich, in deiner Gerechtigkeit!

Ich breite die Hände aus und bete zu dir; meine Seele dürstet nach dir.

Herr, erhöre mich bald, denn mein Geist wird müde; verbirg dein Antlitz nicht vor mir.

Lass mich deine Huld erfahren am frühen Morgen; denn ich vertraue auf dich.

Zeig mir den Weg, den ich gehen soll; denn ich erhebe meine Seele zu dir.

Lehre mich, deinen Willen zu tun; denn du bist mein Gott. Dein guter Geist leite mich auf ebenem Pfad.

Um deines Namens willen, Herr, erhalt mich am Leben, führe mich heraus aus der Not in deiner Gerechtigkeit!``

Ich wünsche Ihnen allen eine gesegnete Karwoche

Bleiben Sie gesund

Ihr

Pfr.Sagayanathan Savarimuthu

06.04. Karwoche

Liebe Schwestern und Brüder,

 

heute beginnt die Karwoche, an deren Ende die drei österlichen Tage stehen, Gründonnerstag, Karfreitag und die Osternacht. Das große Fest der Hoffnung für jeden von uns.

 

Jesus ging durch Leiden und Tod ins Leben und dahin folgen wir ihm.

Diese Hoffnung ist ein großes Geschenk. Und dabei denke ich an:

Die Dinge, die mir wirklich kostbar sind, sind oft nicht mit Geld zu erwerben.

Das liebevoll ausgewählte kleine Geschenk, der einfühlsame, handgeschriebene Brief. Das sind wirkliche Kostbarkeiten, bei denen der Geldpreis kaum eine Rolle spielt.

Aus dem Johannesevangelium ist für heute die Salbung Jesu als Tagesevangelium  vorgesehen.

Maria salbt Jesus mit kostbarem, sehr teurem Öl. Judas Iskariot sieht dabei ausschließlich den hohen Preis des Öls, 300 Denare werden hier genannt. Er sieht nicht das Eigentliche, das wars sich hier zwischen Jesus und Maria abspielt.

 Es ist eine Szene voll Zärtlichkeit und menschlicher Nähe. Sie öffnet, was sie unter Verschluss gehalten hatte, das kostbare Öl. Der Duft breitet sich aus  und durchweht den ganzen Raum. Die Menge scheint zu viel, aber Zuneigung und Liebe berechnen nicht. Maria handelt grenzenlos. Wer so geben kann, ist selbst beschenkt.

Liebe Schwestern und Brüder,

Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie trotz aller Einschränkungen und Sorgen unsere große christliche Hoffnung spüren und erfahren!

Dazu segne sie unser Gott!

Ihr

Pastor

Karl-Heinz  Hense

05.04. Macht hoch die Tür!

„Die Zweiglein der Gottseligkeit“

 

Wer innerlich diese Strophe singt….

 

Macht hoch die Tür, die Tor macht weit,
eu’r Herz zum Tempel zubereit’.
Die Zweiglein der Gottseligkeit
steckt auf mit Andacht, Lust und Freud;
so kommt der König auch zu euch,
ja, Heil und Leben mit zugleich.
Gelobet sei mein Gott,
voll Rat, voll Tat, voll Gnad.

 

… ist am Palmsonntag angekommen. Denn das wohl bekannteste Adventslied trägt schon die Vorschau auf den Einzug Jesu in Jerusalem, den Umschwung der Begeisterung und die Ankündigung des Leidens. Palmsonntag wird somit zum Brennglas unseres Glaubens an den Einen, der den Weg zu Gott weist. Am Palmsonntag wird zugleich die kindliche Freude am König des Lebens erfahrbar und der Thronsturz eines Gottes, der die Menschen nicht nach Menschenart beglückt. Dies ist aber kein Scheitern Gottes, sondern eine der zentralen Heilsbotschaften. Jesus geht den Weg des Glaubens, auch wenn er nicht mehr triumphal scheint. Er ist die gelebte Solidarität mit allem Leiden in der damaligen und heutigen Welt. Er ist der Erlöser, der wahrhaft das Tal des Elends durchschritten hat. Palmsonntag wird auch in dieser Zeit zum Wechselbad des Glaubens und zum Beginn der Heiligen Woche. Wir sind auf dem Weg, also „macht hoch die Tür!“.

 

Manfred Hojenski

04.04. Kontaktsperre

Wir alle fragen uns, wo die Menschen geblieben sind. Niemand hat Tische und Stühle vor die Straßencafés gesetzt. Die Plätze sind leer, in den Geschäften sieht man nur wenige Leute. Die Leute sind weg und auf einmal merken wir, wie sehr wir daran gewohnt sind, dass es um uns herum vor Menschen wimmelt. Wir sind allein und das ist nicht nur ungewohnt, sondern auch unheimlich. Ängste steigen auf:

  • die Angst vor dem Virus

  • die Angst um liebe Menschen

  • die Existenzängste vieler Gewerbetreibender

  • die Angst der Alten, übersehen zu werden

  • die Todesängste der Erkrankten

Auf einmal sind wir krank, ohne das Coronavirus in uns zu haben.

Die eben beschriebene Situation erinnert mich an den bekanntesten Mann unserer Ordensgemeinschaft: Pater Damian Deveuster. 13 Jahre seines Lebens lebte er auf der Insel Molokai auf Hawaii. Dorthin hatte man die Aussätzigen des damaligen Königreiches verbannt, dorthin kamen diese Unheilbaren, um zu sterben. Dorthin ging Pater Damian wohl wissend, dass er sich damit eine Kontaktsperre bis zum Ende seines Lebens auferlegt hatte. Er starb mit 49 Jahren an Aussatz.

Das faszinierende an Pater Damian ist, dass er sich nicht einsam fühlte. Er sagte immer „wir Aussätzige“ und teilte das Leben mit seinen Leidensgefährten. Er redete mit seinen Briefen und mit Hilfe guter Freunde der damaligen Welt ins Gewissen, er gab den Todgeweihten eine Stimme und er bekam Hilfe aus Honolulu, Europa und den USA für seine Geschwister.

Und wenn wir fragen, wie er das aushielt so gab er selbst eine Antwort. Er lebte in der Gegenwart Christi. Jeden Tag feierte er die heilige Messe, und er selbst bezeugt, dass er ohne die vielen Stunden in der Gegenwart des Herrn im Tabernakel nicht ausgehalten hätte. Kurz vor seinem Tod sagt er: „Ich bin der glücklichste Missionar der Welt“.

 

Es ist zu einfach zu sagen, macht es wie Damian. Aber sein Leben ist Anstoß nachzudenken, und er erinnert auf überzeugende Weise daran, dass keine noch so geartete Kontaktsperre uns von Christus trennen kann. Paulus formuliert es so: „Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert? All das überwinden wir durch den, der uns geliebt hat“.

Heinz Josef Catrein

 

 

 

03.04. Gottes Sohn

 Die Aussage Jesu über sich selbst im heutigen Evangelium nach Johannes ( Joh. 10, 31-42) „Ich bin Gottes Sohn“ ist für Juden und Moslems unerträglich. Da ist Steinigung angesagt und bei Ungläubigen Protest. Selbst „christliche“ Theologen haben versucht, diesen Anspruch zu entschärfen. Die Behauptung, die Gottessohnschaft sei „Gemeindebildung“, die ersten Christen hätten Jesus zum Sohn Gottes „hochgejubelt“, kennen wir allzu gut.

   Jesus als Kinderfreund, Gutmensch, Heiler und spiritueller Meister bekommt höchste Anerkennung. Selbst als Prophet lässt man ihn noch gelten. Aber ab da ist Schluss! „Gottes-Sohn“ – das geht zu weit. Das ist Gotteslästerung – sagen die Leugner der Gottessohnschaft Jesu.

   Dass aber Jesus Christus aus Nazareth der Sohn Sottes ist, das ist eine Kernaussage unseres Glaubens. Diese Kernaussage wird durch das ganze Neue Testament in den unterschiedlichen Formen zum Ausdruck gebracht und gehört wesentlich zu unserem christlichen Glauben. Diese Wahrheit darf auf gar keinen Fall abgeschwächt oder abgemildert werden, ohne dass man dadurch den christlichen Glauben aufgibt.

   Wenn es um offenbarte Wahrheiten geht – und hier geht es um eine offenbarte Wahrheit – dürfen wir nicht selektiv werden. Die Wahrheit über die Gottessohnschaft Jesu von Nazareth, die als Mensch aus Maria geboren wurde, steht aus biblisch-theologischer Sicht nicht zur Diskussion. Direkt oder indirekt spricht das ganze Neue Testament von der Gottessohnschaft Jesu. 

   Wir denken an die Antwort des Apostels Petrus auf die Frage Jesu im Matthäusevangelium: „Für wen halten mich die Leute… Für wen haltet ihr mich“: Du bist der Sohn des lebendigen Gottes“. (Mt 15, 16). Jesus lobt die Antwort des Petrus und sagt ihm: „Selig bist du, Simon, Sohn des Jona, denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel“ (Mt 16, 17)

   Das christliche Bekenntnis zum Sohn Gottes unterscheidet sich von ähnlichen Aussagen in anderen Kulturen der Antike, in denen nicht selten Weltherrscher als Götter oder Gottes Söhne verehrt wurden.  Dieser Titel unterstreicht keinen weltlichen Machtanspruch. Zwischen Gott und Jesus herrscht ein besonderes Vertrauensverhältnis. Da haben wir mit geradezu familiären Vorstellungen zu tun, was auch in seinem Gebet deutlich wird, wenn er Gott „Abba“ nennt, was so viel heißt wie „Papa“.

„Wahrer Gott vom wahren Gott“ – Mit diesen Worten aus dem großen Glaubensbekenntnis bekennen wir uns immer wieder zu Jesus Christus, der eines Wesens mit Gott ist.

   Wenn wir uns im Gebet an Jesus Christus wenden, dann tun wir dies in dem Glauben, dass er als Gottes Sohn der einzige Mittler zwischen Gott und Mensch ist.

   Auch heute haben Menschen Schwierigkeiten mit dem Glauben an die Gottheit Jesu. Das Geheimnis seiner Menschwerdung aus Maria, der Jungfrau, kann von Menschen nicht erfasst werden. Jesus, der im Geheimnis der Inkarnation wahrer Mensch wurde, hat nie aufgehört, wahrer Gott zu sein. Aus diesem Grund erinnert uns immer wieder der Prolog des Johannesevangeliums, der als Tagesevangelium am ersten Weihnachtstag vorgetragen wird, dass das Menschenkind in der Krippe nie aufgehört hat, das ewige Wort Gottes, sein ewiger Sohn zu sein. Auf seine Göttlichkeit hat er nie verzichtet und als Mensch Gewordener hat er uns etwas vom Leben Gottes , vom Geheimnis des dreifaltigen Gottes, offenbart.  

Antonel Lenghen

02.04 nach Genesis 17,1-9

 

Eines Tages überrumpelte Gott den alten Mann namens Abram, weil er ihm etwas Gutes tun wollte. Da Gott aber nie sicher sein kann, dass ein Mensch ihn richtig erkennt, stellt er sich für gewöhnlich erst einmal vor. Selbstbewusst begrüßt Gott den neunzigjährigen mit: „Ich bin Gott“ – und weil das noch nicht genügt, fügt er stolz hinzu: „der Allmächtige“. Nun ist jede Verwechselung ausgeschlossen.

Nun war Abram noch nie der Schnellste und ängstlich ist er obendrein, selbst im Alter. So antwortet er Gott nicht, dabei hätte ein freundliches „Hallo Gott, wie geht es dir?“ schon genügt. Daraufhin spricht Gott einfach weiter. Denn Gott hat viel zu tun und kann nicht ewig darauf warten, dass etwas passiert. Also kommt er schnell zur Sache: „Ich will einen Bund mit dir schließen“, sagt er.

Endlich taut Abram aus seiner Schockstarre auf und ihm fällt doch tatsächlich nichts Besseres ein, als auf die Knie zu fallen und sein Gesicht im Dreck zu baden. Dieses komische Verhalten soll wohl Ehrerbietung ausdrücken und besonders höflich sein. – Gott kennt das schon … Immer wenn er versucht mit jemanden ein vernünftiges Gespräch zu führen, wird die Situation irgendwie komisch – mal schmeißen sich die Leute auf den Boden, mal rennen sie weg, andere fangen an zu stottern und wieder andere beklagen sich Lautstark bei ihm.

Beschwichtigend sagt Gott „Ich bin’s!“, in der Hoffnung, dass Abram sich an ihn erinnert. Denn eigentlich kennt Abram Gott schon und als Gott ihn die ersten Male besucht hat, da hat er sich noch einigermaßen normal verhalten. Eigentlich dachte Gott, dass er nun kein Fremder mehr sei, aber anscheinend musste man sehr viel Geduld mit den Menschen haben.

Da Gott sich nicht so gerne wiederholt, erzählt er Abram gleich, was es bedeutet, einen Bund mit ihm zu schließen: „Du wirst Stammvater einer Menge von Völkern sein“, meint Gott und weil der Name Abram nicht zu seinen Zukunftsplänen für den Greis passt, ändert er ihn kurzerhand in „Abraham – Vater der Menge“ um. Gott war kurz versucht, dem alten Mann zu erklären, wie man ihn den nun schreibt, den neuen Namen. Da fiel Gott ein, dass der Mann gar nicht schreiben konnte. „Macht nichts! Es gibt schlimmeres, als seinen eigenen Namen nicht schreiben zu können“, denkt Gott und fährt fort:

„Könige werden von dir Abstammen!“, sagt Gott voller Vorfreude, denn auch er ist ein König und weiß, wie schön es sein kann, König zu sein. Doch Abraham rührt sich immer noch nicht. Aber noch hat Gott ja nicht all sein Pulver verschossen. „Der Bund gilt auch für deine Nachkommen, nach dir!“, fügt Gott hinzu. Denn was gibt es besseres, als König und mit Gott verbündet zu sein? Aber auch das scheint immer noch nicht genug für den alten Abraham zu sein. Also überlegt Gott, womit er Abraham noch eine Freude machen könnte. Er sieht ihn sich genau an, sieht sein Alter, seine schwindende Kraft, seine durchgelaufenen Schuhe. Den Staub in seiner Kleidung. Ein Heimatloser, wie er im Buche steht. Da kommt Gott, die zündende Idee: „Ich gebe dir und deinen Nachkommen das ganze Land Kanaan!“. Also langsam könnte sich dieser Abraham mal freuen und so etwas wie „Danke“ sagen. Denn Gott hat versprochen, ihm ganz viel zu schenken: Kinder und Kindeskinder – Nachkommen halt. Nachkommen, die Könige werden. Könige, die Gott auf ihrer Seite haben. Ein Gott, der ihm ein schönes Land schenkt …

Aber Abraham bleibt stumm. Gott überlegt und fragt sich, warum das so ist. „Nicht, dass er so lange da liegen bleibt, bis ich ihm die ganze Welt versprochen habe“, denkt Gott.

Gott seufzt. „Beim nächsten Mal schicke ich einfach meinen Sohn“, denkt Gott. Denn Gott zu sein, ist wirklich ein anstrengender Beruf.

 

Pastoralassistentin Antonie Krapf

01.04. April, April

Dieses Jahr ist mir nicht nach Aprilscherzen zumute.

Im letzten Jahr habe ich noch schmunzelnd die glaubhaft klingenden, leicht verrückt klingenden Beiträge in meiner Tageszeitung entdeckt; dieses Jahr brauche ich sowas nicht.

Ich möchte auch nicht von lieben Mitmenschen durch erfundene, fantastische Erzählungen „in den April geschickt werden“.

Aber ich lache gern! Es tut so gut, einmal herzhaft lachen zu können. „Wer singen und lachen kann, der erschrickt sein Unglück“, so erinnere ich mich an ein Sprichwort.

Vor über 10 Jahren verabschiedete ich mich aus meiner damaligen Pfarrgemeinde, um meine Mutter pflegen zu können. Die Krankenhausseelsorgerin schenkte mir zum Abschied eine Fotografie „Bonze des Humors“. Diese Skulptur ist in Worpswede aufgestellt. Da sitzt er, die Augen geschlossen, den Kopf nach hinten geneigt, hält sich mit beiden Händen den dicken nackten Bauch und lacht über beide Backen. Der ganze Mensch scheint von Lachen geschüttelt zu sein. “Er soll dich daran erinnern, dass man jeden Tag einmal lachen soll, auch in schweren Zeiten“, sagte mir meine liebe Kollegin. Seitdem steht das Foto bei mir im Regal, und immer mal wieder fällt mein Blick auf diese lachende Gestalt.

Also lache ich heute vielleicht doch, wenn ich einen Aprilscherz lese oder höre…

Veronika Hembrock

31.03 Glocken läuten

Glocken läuten. Sie läuten in Werne jeden Tag.

Frech und vorlaut erhebt die Glocke der Kapuziner jeden Morgen um 6.45 Uhr ihre helle Stimme und lässt uns wissen, dass gleich der Gottesdienst im Kloster beginnt.

Die Kirchen der Stadt läuten den Engel des Herrn morgens um 7, Mittags um 12 und um 18.00 Uhr

Der schwere dumpfe Schlag der Totenglocke verkündet, dass ein Gemeindemitglied verstorben ist.

 

An hohen Feiertagen wie Ostern legt sich ein Klangteppich der Festgeläute der verschiedenen Kirchen über unsere Stadt. Schon in der Osternacht verkünden sie mit Ihrer Stimme, dass Christus auferstanden ist.

Glocken prägen also unseren Lebensrhythmus, ob wir es bewusst wahrnehmen oder nicht. Nun ist ein weiteres Geläute dazu gekommen. Jeden Abend um 19.30 Uhr läuten die Glocken als Zeichen der Solidarität, der Verbundenheit und als Bitte des Segens für unsere Gemeinde, besonders für die, die vom Coronavirus  betroffen sind.

Es berührt mich, wenn ich die Reaktionen aus der Gemeinde lese.

So laden die Glocken uns ein füreinander zu beten und so eine große Gemeinschaft zu bilden.

 „Die Glocken läuten

Der Mensch öffnet die Seele

Besinnung tritt ein“, so schreibt es Erhard Horst Bellermann (*1937), deutscher Bauingenieur, Dichter und Aphoristiker.

In diesem Sinne

Ihr Pfarrdechant Jürgen Schäfer

30.03. Entscheidungen

Das heutige Evangelium von der Ehebrecherin ist vielen geläufig.

Da ist Jesus, der das Volk im Tempel unterrichtet.

Da sind die Schriftgelehrten und Pharisäer , die Jesus auf die Probe stellen.

Da ist die Frau, die sie in die Mitte stellen.

Und da sind die, deren Blicke sie ausgeliefert ist.

Auf frischer Tat ertappt, mit einem andern Mann.

Vorgeführt.

Ans Licht gezerrt, steht sie vor Gericht.

Sie muss dem Gesetz nach gesteinigt werden.

Jesus, was sagst du dazu?

Nichts

Jesus, was sagst du dazu?

Nichts

JESUS?!

Jesus malt mit dem Finger auf der Erde.

Kennen sie das ?

In verzwickten Angelegenheiten sich ablenken – etwas ganz Banales tun.

Oder zu denken, lasst mich doch in Ruhe mit eurem ewigen Genörgel, mit euren Fragen,

mit den Geboten, die den Tod und nicht das Leben bringen…

Und dann die Worte finden , die uns alle an richtiger Stelle ins Herz treffen:

Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.

Das zu behaupten, wäre Gotteslästerung, und würde genauso bestraft.

Und die Ankläger gehen, einer nach dem anderen.

Und dann sagt Jesus dieser Frau von Angesicht zu Angesicht einen lebensbejahenden Satz:

Geh und sündige von nun an nicht mehr.

Wie es sein wird, was sie tun wird, erzählt diese Begebenheit nicht.

Jesus fordert sie auf, Entscheidungen zu treffen, die sie für sich und für ihr Leben verantworten kann…

 

Herr, wenn ich heute einen Stein in die Hand nehme, vertraue ich darauf,

dass er mir zum Anstoß wird, nicht zu verurteilen.

Um  ihn dann vorsichtig zur Seite zu legen, damit niemand darüber fällt.

Einen gesegneten Tag und stärkende Begegnungen wünscht ihnen

Ihre Pia Gunnemann

29.03. Zombies oder Himmel

Am Sonntag wird aus dem Buch des Propheten Ezechiel aus dem Ersten (Alten) Testament gelesen.

Wie in einem Zombiefilm belebt Gott die Toten, beseelt die Toten und schenkt ihnen den Geist und das ewige Leben. Das kann man nur verstehen, wenn man Ezechiel versteht. Die Toten stehen für das Volk Israel im Exil. Das Volk ist wie tot. Erst durch ihren alten und neu beseelten Glauben leben sie wieder auf, weil sie auch in der zeitlichen Ferne das Leben und die Hoffnung spüren. Es geht also nicht um die Biologie vieler Körper, sondern um die große Vollendung für ein von Gott gesegnetes Volk.

Der Apostel Paulus nimmt diesen damals 600 Jahre alten Text und deutet ihn abwegig um für seine Wirklichkeit und Leibfeindlichkeit.

Wir Heutigen aber können stattdessen bei diesem Propheten etwas Beruhigendes für unsere Zeit finden. Wir sind zwar nicht im Exil, aber wir sind in unserem Alltag zur Zeit massiven Einschränkungen ausgesetzt. Mir ist dabei wichtig, dass diese Einschränkungen uns sehr verschieden treffen. Für viele ist es Langeweile und ein Organisationsproblem, für andere aber bedeutet es absolute Überlastung, finanziellen Ruin oder Todesgefahr.

Das darf nicht gleichartig gewertet sein. Ein heutiger Ezechiel wäre also die perfekte Aufforderung, Gottes Geist in Solidarität zu wandeln. Unterstützen wir, die wir uns nur umorganisieren müssen, bitte diejenigen, die wirklich bedroht sind. Der Geist Gottes des Ersten Testamentes ist als Auftrag Jesu im Zweiten (Neuen) Testament genau dafür erinnert worden.

So wird mit Gottes Kraft ein Stück Himmel erfahrbar!

Ihr Manfred Hojenski

28.03. Lazarus

Zum Impuls für den heutigen Tag möchte ich schon Bezug nehmen auf das Evangelium des morgigen Sonntags, die

Auferweckung des Lazarus, des Freundes Jesu. Möchte aber auch weiter sehen auf das Verhältnis Jesu zu der Familie des Lazarus.

Eine sehr menschliche Geschichte und auch eine Geschichte, die Glauben fordert und herausfordert.

Eine schöne, menschliche rührende Geschichte über den Menschen Jesus. Jesus ein Mensch wie wir. Er hat Freunde gehabt, die Geschwister in Bethanien; er kehrt bei ihnen ein, redet mit ihnen, im wahrsten Sinne über Gott und die Welt: Es geht um Küchenarbeit, er lässt sich bewirten. Aber auch da schon über das, was darüber hinausgeht: „Maria hat das bessere erwählt.“

Menschlich auch die Geschichte der Auferweckung des Lazarus.

Jesus nennt Lazarus seinen Freund. Und wir lesen: Jesu ist erschüttert und weint am Grab seines Freundes.

Aber tiefer geht es darin auch um Glauben, den ausgerechnet Martha, die anpackende Hausfrau ausspricht. Auf die Aussage Jesu, dass er die Auferstehung und das Leben ist, und wer an ihn glaubt nicht stirbt, und sie fragt: „Glaubst du das?“ gibt sie die Antwort: „Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn des lebendigen Gottes.“

Mit diesen zwei Aspekten, der menschlichen Beziehung und der Glaubensfrage, ein Blick auf uns heute, gerade in dieser Zeit:

Wie gut ist es, Freunde zu haben; bei denen einkehren zu können, miteinander reden zu können, auch über Gott und die Welt. Dieser Wert wird uns ja gerade in diesen Tagen bewusst, auch wenn wir räumlich eingeschränkt sind. Aber wir nützen die Möglichkeiten unserer Tage, miteinander in Verbindung zu bleiben.

Und es mag für uns eine Hilfe sein, dass wir Jesus als Freund haben, der für uns in dieser Krise auch wieder Heil und Leben schenkt. Darum dürfen und müssen wir beten.

Doch darüber hinaus dürfen wir hoffen und beten, dass er uns, wenn wir sterben, doch in Ewigkeit leben. Gott stärke in uns diesen Glauben.

Pater Ernst

 

27.03. Heiliger Geist

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben,

ich habe anderen vor kurzem gesagt: ``Ich habe nie in meinem Leben so eine Situation wie diese, in der wir jetzt im Moment sind, erlebt.

Ich habe als Antwort bekommen: `` Wir haben auch nie eine wie diese in der Kriegszeit erlebt``

In dieser Pandemie müssen wir miteinander verbunden bleiben, einander schützen, Respekt für alle anderen zeigen, in Solidarität leben.

Ich lade Sie alle ein, im Gebet füreinander und miteinander zu bleiben. Wir können uns auf die barmherzige und schützende Hände Gottes verlassen. Möge Gott die ganze Stadt Werne verschonen.

Ich bitte Sie alle den Blick auf den Heiligen Geist zu richten.

 

``Komm herab, O Heiliger Geist, der die finstre Nacht

Zerreißt, strahle Licht in diese Welt.

 

Komm, der alle Armen liebt, komm, der gute Gaben gibt,

komm, der jedes Herz erhellt.

 

Höchster Tröster in der Zeit, Gast, der Herz und Sinn erfreut,

köstlich Labsal in der Not,

 

in der Unrast schenkst du Ruh, hauchst in Hitze Kühlung zu,

spendest Trost in Leid und Tod.

 

Komm, O du glückselig Licht, fülle Herz und Angesicht,

dring bis auf der Seele Grund.

 

Ohne dein lebendig Wehn kann im Menschen nichts bestehn,

kann nichts heil sein, noch gesund.

 

 

Was befleckt ist, wasche rein, Dürrem gieße Leben ein,

heile du, wo Krankheit quält`` Amen.

 

Bleiben Sie gesund.

Ihr

Pfr.Sagayanathan Savarimuthu

 

 

26.03. Menschen

Liebe Schwestern und Brüder,

 

es ist schon eine ungewohnte und eigenartige Situation, in der wir uns zur Zeit befinden.

Seit fast 14 Tagen ist das öffentliche Leben in unserem Land und somit auch in unserer Kirche sehr eingeschränkt.

Jede und Jeder von uns macht eigene Erfahrungen und lernt damit umzugehen. Manches macht große Sorgen und Ängste, vielleicht erleben wir aber auch Zuwendung und Hilfe.

Als Seelsorger und Priester, versuche ich, in dieser mir fremden Situation Orientierung zu finden.

Auf der geistlichen Ebene verbinde ich mich mit unserer Gemeinde:

Wenn ich am Morgen die Kirche aufschließe und das Morgengebet  der Kirche spreche oder nach dem Abendgebet, der Vesper die Kirchentür verschließe, habe ich einzelne Gesichter vor Augen. Ich sehe:

Sie, die unsere Gottesdienste besuchen,

die Menschen, die ich auf meinen Wegen treffe,

die Kommunionkinder, bei denen ich Kontaktstunden gebe

und viele mehr.

Sie alle nehme ich mit in das Gebet und bitte um Gottes Beistand und Segen.

Ebenso halte ich es, wenn ich hinter verschlossenen Türen die heilige Messe feiere. Es ist schon seltsam, ohne anwesende Gläubige Gottesdienst zu feiern. Doch lerne ich gerade, Sie mir in den leeren Bänken vorzustellen und hoffe, dass es auch bald wieder anders sein wird.

Am Abend um 19.30 Uhr stelle ich dann eine brennende Kerze ins Fenster und bete mit Ihnen das „Vaterunser“

Ist es nicht gerade der Geist, der uns mit Gott und untereinander verbindet?

 

So wünsche ich Ihnen allen von ganzem Herzen: Kommen Sie gut durch diese Zeit und Gott segne Sie!

Pastor

Karl-Heinz Hense

25.03. Maria Verkündigung – Gott mit uns.

Im Augenblick haben wir den Eindruck, als würde die Welt unserer Herrschaft entgleiten.

Erschreckende Bilder begleiten uns: Krankenpfleger wie Marsmenschen verkleidet  – Patienten verpackt wie hochgiftiger Spezialabfall - menschenleere Straßen - Regale ohne Brot und Toilettenpapier - Fließbänder ohne Nachschub - Kleinunternehmen ohne Geld - Politiker ohne Patentrezept - Kirchen ohne Gottesdienste.

 

Angst macht sich breit: Angst um die eigene Gesundheit, Angst um seine Lieben, Angst ums Essen. Angst vor Arbeitslosigkeit. Angst vor Verarmung. Und ganz am Ende die Angst vor der Angst. Sie gleicht einem schrecklichen Ungeheuer, das tief aus der Seele des Menschen aufsteigt.

 

Unser menschliches Selbstvertrauen hat in diesen Wochen einen ordentlichen Dämpfer bekommen. Unser Selbstbewusstsein ist dahin,  unsere Selbstsicherheit ist auf einem Tiefststand.  

Kaum beachtet feiert die Kirche am 25 März das Fest Mariä Verkündigung.

Der Engel Gabriel kommt zu Maria und verkündet, dass sie einen Sohn gebären werde, und „dieses Kind wird heilig und Sohn Gottes genannt werden“.  Die Begleitumstände sind interessant:

 

Gottes Engel kommt zu einem armen Mädchen in der hintersten Provinz des römischen Reiches. Gottes Engel kommt zu Menschen, deren Leben weitaus armseliger war als das unsere. Gott selbst kommt in diese Welt, die für Menschen immer ein gefährdeter und unsicherer Aufenthaltsort war.

 

In dieser Zeit der Angst, Ratlosigkeit und Ohnmachtsgefühle tun wir gut daran, diese heilbringende Botschaft aufzunehmen und zu bedenken.

Gott ist mit uns. Wir sind nicht von allen guten Geistern verlassen! Wir weinen um Verstorbene und haben doch die Hoffnung, dass ihr Leben nicht ausgelöscht, sondern vollendet ist. Wir haben Angst und sind doch nicht gelähmt, weil gelebter Glaube gute Kräfte freisetzt: Hilfsbereitschaft, Nächstenliebe, Aufmerksamkeit und Rücksicht aufeinander. Wir sind ratlos, und dürfen trotzdem die Hoffnung haben, dass Gott unser Leben lenkt. Wir allein schaffen es nicht, aber  ER  ist mit uns. Gott sei Dank!

P. Heinz Josef Catrein

 

 

 

 

 

 

 

 

 

24.03. Heilungsgeschichten

   Immer wieder begegnen wir in den Evangelien den sogenannten Heilungsgeschichten Jesu. Im Tagesevangelium heute geht es um die Heilung eines seit 38 Jahren kranken Menschen. Natürlich fragen wir uns: Wie mag das geschehen sein? Doch ein genauerer Blick in den Text des Evangeliums lässt uns erkennen, dass es in der Geschichte nicht in erster Linie um die Wundererzählung geht. Das Wunder ist zweitrangig, wie so oft in den Evangelien, gerade im Johannesevangelium. Das, was als Quintessenz hinter diesem Wunder steckt, das ist das Wichtige, darum geht es.

   Zum einen ist es die Frage danach, was es bedeutet, wenn man vom Haus des Erbarmens spricht. Und das andere ist die Frage, was das Erbarmen bedeutet auf dem Hintergrund von Lebensregeln und Konventionen.

   Am Teich Bethsesda („Haus des Erbarmens“) liegt ein Mensch fest, der sein Leben lang schon krank ist. Er hat keinen Menschen, der ihn dort hinbringt. Dieser Mensch kann aus seiner Situation nicht heraus, er muss so bleiben wie er ist, weil es keinen Menschen gibt, der ihm echtes Erbarmen zukommen lässt. Es geht hier um einen Menschen, der vielleicht nicht unbedingt körperlich ans Bett gefesselt ist, sondern um einen, der an sein Leben, an seine Lebensvorstellungen gefesselt ist. Der davon überzeug ist, es geht nicht anders. Er hat eine Hoffnung, er kann aber sich nicht selber entgegensetzen. Er braucht einfach jemanden, der ihm sagt: Nicht der Teich ist dein Heil, nicht die anderen Menschen sind notwendig, damit du dieses Heil erlangst, sondern da hast selber Kräfte in dir, die du einsetzen kannst. Du musst sie nur einsetzen. Steh auf und geh!

   Es ist mein Glaube und davon bin ich überzeugt, dass Jesus uns fähig machen kann, in dieser Welt mit Hilfe Gottes unser Leben frei zu leben. Durch Jesus und sein Leben werden in uns Kräfte frei, die es uns ermöglichen, uns aus den Zwängen unseres Lebens zu befreien, neues und anderes anzufangen. Wie oft liegen wir auf dem Bett, das den Namen trägt: „So ist es nun mal“, „Wir können nicht anders“, „Wir würden ja gerne, aber die anderen sind ja nicht da“ oder „Die Welt ist nun mal so!“.

   Nein, wir haben Kräfte und Möglichkeiten, das Leben zu verändern. Dazu müssen wir uns ansprechen lassen von Gott, von Jesus, der uns immer wieder zur Umkehr auffordert, der uns verändern will und uns damit wirklich Erbarmen zeigt. Lebensveränderung heißt dabei sicher, dass wir unser Bett, unsere Vergangenheit weiter mit uns tragen müssen. Das können wir auch nicht ablegen. Aber die Vergangenheit ist nicht das, worauf wir festgelegt sind, sondern das, was wir verlassen können, um das Leben neu zu sehen. Und dazu hilft uns Gott, hilft uns Jesus. Oftmals unerkannt, vielleicht sogar unmerklich, weil es nicht so auf wunderbare Weise geschieht wie bei dem Menschen unserer Geschichte. Aber es geschieht. Wir bleiben oft liegen, doch der Geist Gottes bewegt uns, ja uns, die wir oft zu resignieren scheinen.

   Ein Mensch wird geheilt im Haus des Erbarmens. An einem Sabbat. Er darf sein Bett nicht tragen. Menschliche Konvention! Die Geschichte zeigt uns, dass es Jesus um den Menschen geht, und nicht um die Einhaltung von Ordnungen und Konventionen, um einmal gesagte Sätze.

   Wo ist mein Blick auf die Menschen, mit denen ich zu tun habe? Habe ich mich nicht oft genug festgelegt, weil ich anderes Denken gar nicht zulasse? Wie kann Erbarmen, wie kann Hilfe für Menschen und Menschlichkeit in meinem konkreten Leben aussehen? Jenseits der Tatsache, dass diese Frage von jedem und jeder ganz persönlich beantwortet werden soll, bleibt eines klar: Veränderung kann nur geschehen, wenn wir Jesus und seine Botschaft von Erbarmen und Frieden vor Augen haben.

 

Pfarrer Antonel Lenghen

23.03. nach Jesaja 65,17-21

Wenn Gott den neuen Himmel will, was ist dann mit dem Alten? Wenn Gott die neue Erde will, was ist dann mit der Alten? Was hat er gegen Frühlingsblumen und was gegen Sonnenschein? Soll das alles wirklich vergessen sein? Was ist mit meinem Leben, meinen Wünschen, meinen Träumen? Sollen auch sie verschwunden sein?

Was ist schon Jerusalem? Wer ist das Volk, das durch seine Straßen geht? Sind dort Freunde und Bekannte? Was ist der Mensch, wenn er nicht mehr weinen kann? Was ist der Mensch, der sich nur noch freuen kann? Ist der Mensch sein Leben? Was ist eigentlich das Leben? Ist ein Kind ein alter Mann von hundert Jahren?

Wozu soll ich Häuser bauen, wo ich doch im Himmel bin? Was soll ich mit Weinbergen, da ich doch kein Winzer bin? Wozu soll ich arbeiten und mich plagen? Was ist denn da Neues dran? Was ist mit einem Kind, das in der Ewigkeit geboren ist? Warum kann ich sterben, wie in der alten Zeit? - Ist Gott nicht der, der von alledem befreit?

 

Pastoralassistentin Antonie Krapf

22.03. Faszination Glockenklang

Faszination Glockenklang

Vor 10 Tagen durften unsere diesjährigen Erstkommunionkinder hinauf in den Kirchturm bis zu den Glocken klettern. Was für eine Aufregung und Hochspannung bis zum ersten Stundenschlag! In mir wurden Kindheitserinnerungen lebendig, denn mein Vater war Küster und Organist in Ascheberg. In den Ferien durften wir Kinder immer mit ihm bis zu den Glocken und noch höher steigen. Bis heute erinnere ich mich an die Faszination, die die riesig hohen Treppen und die großen, lauten Glocken bei mir auslösten. Und dass sie auf Knopfdruck anfingen zu läuten!

Immer noch liebe ich das volle Glockengeläut an Fest- und Feiertagen. Auch heute lausche ich ihrem Klang. Jeden Abend läuten sie nun für uns und können einen Moment Hoffnung und Trost spenden. Sie schenken uns eine Ahnung von Gottes Einladung zum Gebet, wo immer wir ihren Klang vernehmen.

Heute, am 22. März, vollendet mein Vater sein 90. Lebensjahr. Ich bin sicher: die Glocken läuten heute auch zu seiner Ehre!

Veronika Hembrock

21.03. Hilfe in der Kümmernis

Hilfe in der Kümmernis

Am Chorraum der St. Christophoruskirche steht ein alter Bildstock. In ihm steht seit über 500 Jahren ein Marienbildnis. Bis in die heutige Zeit wird es von den Menschen verehrt. Immer wieder brennen dort Kerzen, findet man Menschen, die einen kurzen Augenblick innehalten.  In früheren Zeiten war die Verehrung sehr groß – alte Bilder legen davon Zeugnis ab –  aber auch heute ist sie nicht erloschen.

Viele Votivgaben, die in der Sakristei aufbewahrt werden, zeigen, dass viele Menschen Errettung und Genesung aus Krankheit dem Gebet vor diesem Bild zuschreiben. Auf einer Votivgabe ist eingeritzt: HILFE IN DER KÜMMERNIS.

Diese Marienfigur haben wir in die Kirche gebracht, damit wir uns in diesen Krisenzeiten des mütterlichen Schutzes der Gottesmutter, der Hilfe in der Kümmernis, gewiss werden.

Ein altes Mariengebet lautet:

Hilf, Maria, es ist Zeit,

Hilf, Mutter der Barmherzigkeit!

Du bist mächtig, uns in Nöten

Und Gefahren zu erretten.

Denn wo Menschenhilf gebricht,

Mangelt doch die Deine nicht.

Nein, Du kannst das heiße Flehen

Deiner Kinder nicht verschmähen.

Zeige, daß Du Mutter bist,

Wo die Not am größten ist!

Hilf, Maria, es ist Zeit,

Hilf, Mutter der Barmherzigkeit!

 

Unter dem Schutz des Dreifaltigen Gottes

und der Hilfe der Gottesmutter und der Heiligen

mögen wir alle gesegnet und beschützt sein.

Ihr Pfarrdechant

Jürgen Schäfer

20.03. Wer liebt, findet Wege.

Wer liebt, findet Wege.

 

Gestern war ich einkaufen und habe nur die Hälfte meiner Liste abgearbeitet. Genervt habe ich auf die leeren Regale geschaut. Offensichtlich hatten auch andere Menschen Lust auf Bananen, Gemüse und Margarine. Nur ich war mal wieder zu spät im Laden! Bei vielen steigt angesichts der Coronapandemie die Angst und Sorge um das eigene Überleben. Manchmal habe ich den Eindruck, ein Teil dieser Menschen handelt dabei nach dem Motto: Zuerst ich und nach mir die Sintflut. Was ich hab, das hab ich.
Gleichzeitig entstehen – Gott sei Dank - gerade jetzt Aktionen, die Solidarität und Nächstenliebe groß schreiben. Menschen überlegen, wie sie anderen in der Nachbarschaft helfen können – beim Einkauf, bei der Kinderbetreuung oder bei Botengängen. Das berührt mich, denn genau darum geht es doch, wenn wir alle durch diese Zeit kommen wollen!
Heute wird Jesus im Evangelium die Frage gestellt, was das wichtigste Gebot sei. „Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben mit ganzem Herzen und du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Gottesliebe geht nicht ohne Nächstenliebe und auch die Selbstliebe gehört dazu. Wer Gott liebt – und für mich heißt das übersetzt: Wer glaubt - für den drückt sich das im Alltag aus. Es hinterlässt Spuren, denn Liebe will sich äußern. Wenn mir mein Glaube etwas bedeutet, dann wird das in der Art, wie ich lebe, deutlich. Umgekehrt spiegelt sich in unserem Verhalten anderen Menschen gegenüber etwas von der Liebe wieder, die uns alle übersteigt. Dieses Liebesgebot aus dem heutigen Evangelium stellt mich gerade in diesen Tagen und Wochen vor ganz neue Herausforderungen – vor allem, wenn wir mehr Zeit zu Hause verbringen und vielleicht die Nerven „blank liegen“. Aber ich sehe darin auch eine Chance, dass wir als Christen und Christinnen Profil zeigen und uns auf das besinnen, was wirklich wichtig ist. In meiner Beratungsarbeit habe ich einmal ein Zitat gehört: „Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe.“ Vielleicht ist das mit der Liebe genauso. Wer liebt findet Wege, Möglichkeiten und Perspektiven! Ich jedenfalls will versuchen, diese Zeit als Chance zu sehen und frage mich: Wen in meiner Nachbarschaft und in meinem Bekanntenkreis sollte ich fragen, ob er oder sie Hilfe braucht? Oder wem will ich einfach nur so zum Frühlingsanfang eine Freude machen?
Wer liebt, findet Wege!
Herzliche Grüße

Maria Thiemann