GLAUBE

Ein Mensch, der glaubt, ist so stark wie neunundneunzig andere, die nur Interesse haben.
John Stuart Mill (1806-1873)

Gedanken zum Sonntag

16.12.18 (3.Advent)

Gaudete! (Freut Euch!)

... wieso das katholische Farbenspiel so aktuell ist

Wenn Sie an die Farbe Rosa denken, was geht Ihnen da durch den Kopf? Von Babywäsche bis Mädchenfarbe assoziieren wir dann, obwohl es doch nur um modische Festlegungen geht, die noch nicht einmal alt sind. Wenn in der Liturgie also Rosa auftaucht, dann will der Priester damit nicht an die Weiblichkeit appellieren. Rosa ist das hellere Violett, das für das Fasten und die Trauer steht. Die Adventsszeit ist bekanntermaßen und nicht mehr in der Welt erfahrbar eine Zeit des Verzichtes und der Vorbereitung ... wie die österliche Fastenzeit. In dieses "Violettsein" des Fastens dringt aber am dritten Advent das Licht der Freude und hellt das Fasten auf. Die Farbe bleibt, aber die Freude scheint durch. Eine typisch alltägliche Erfahrung von Menschen in Krisen, die am Ende des Tunnels schon das Licht sehen, die z.B. in der Trauer um einen Verstorbenen auch auf das wirksame Gute des Lebens blicken können. Diese erwachsene Gefühlslage offenbart sich in den heutigen Lesungen, wenn der Prophet Zefanja die Gläubigen zum Jubeln aufruft: Hoffnung ist da, Rettung ist nah. Mitten im Advent werden wir auf das frohe Ziel verwiesen, das Licht in der Dunkelheit und spüren die künftige Freude.

 

 

9.12.18 (2.Advent)

Unerwartete Verse! Advent ist die Zeit der Erwartung. Und das Erwartete scheint so klar, dass wir Weihnachten so liebevoll feiern und oft unverändert und erwartbar danach weiter machen. Wie wäre der Gedanke, dass Gott das Unerwartete fordert und damit das Fest zum Wendepunkt zu einer Art anarchistischen Heils wird? Mitten in der Welt des Klagens und Scheiterns, der Schwarzseher und Despoten behauptet einer, das Licht der Herrlichkeit schon zu erkennen. Diese Zeilen stehen in der Lesung: "Leg ab, Jerusalem, das Kleid deiner Trauer und deines Elends, und bekleide dich mit dem Schmuck der Herrlichkeit, die Gott dir für immer verleiht. Leg den Mantel der göttlichen Gerechtigkeit an; setz dir die Krone der Herrlichkeit des Ewigen aufs Haupt! ... Gott gibt dir für immer den Namen: Friede der Gerechtigkeit und Herrlichkeit der Gottesfurcht." (Bar 5,1 ff) Diese Zeilen kommen aus dem babylonischen Exil, als Israel erzwungen nicht in Jerusalem weilte. Baruch schreibt als wenn er die Wirklichkeit nicht sieht, sondern im israelitischen Advent bereits das Fest spüren kann. Dank ihm für diese unerewarteten Verse!

 

2.12.18 (1.Advent)

Alles wird gut!

... und nicht nur weil heute kirchlich gesehen ein neues Jahr beginnt. Der erste Advent kommt als Hoffnungsträger angesichts einer drohenden Endzeit. Natürlich haben wir das inhaltliche Problem, dass in den biblischen Lesungen bis Weihnachten eine Menge Stoff für Endzeitpropheten steckt mit Untergangsszenarien und Angstpädagogik. So wie die Bibelschreibenden haben viele Generationen gedacht, das Ende der Welt zu erleben, weil sie die Zeichen der Zeit so empfanden. Allerdings gibt es die christliche Sichtweise, die jesuanische Sichtweise, die das Heil in den Focus rückt. Und dieses Heil fängt nicht mit dem individuellen Tod an und ist außerweltlich. Das kommende Himmelreich ist eine ganz konkrete Anfrage an das Hier und Jetzt, an Recht und Gerechtigkeit. Daher kommt die Hoffnung und die Kraft des Christlichen: Der Ausblick auf Weihnachten verändert das Davor. Jenseits des Konsumrausches wächst die Dünnhäutigkeit für Unrecht und schlechte Strukturen. Gottes Ankunft bereitet die Welt zum Guten vor - heute wie damals. Jeremia prophezeit: In jenen Tagen wird Juda gerettet werden, Jerusalem kann in Sicherheit wohnen. Man wird ihm den Namen geben: Jahwe ist unsere Gerechtigkeit. Heute muss das heißen: In jenen Tagen wird die Welt gerettet werden, Menschen können in Sicherheit wohnen. Man wird ihm den Namen geben: Jahwe ist unsere Gerechtigkeit.

 

25.11.18

Palastrevolution! (Christkönig)

Das heutige Christkönigsfest ist schon historisch ein seltsames Ding, weil es einerseits eine theologische Königsherrschaft gegen den Totalitarismus behauptete und gleichzeitig als Speerspitze gegen den Laizismus um 1920 gerichtet war. Mit all diesen Botschaften könnte es verstaubt und politisch rückwärtsgerichtet daherkommen.... Es sei denn, wir lesen aus der heutigen Offenbarung: "Jesus hat uns zu König*innen gemacht und zu Priester*innen vor Gott, seinem Vater. Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht in alle Ewigkeit. Amen." Und schon haben wir ein höchst modernes Menschenbild und Gottesverbundenheit vor Augen. Es geht darum, den Wert und die Haltung eines jeden Menschen zu betonen. Der Christkönig ist das Gegenteil eines autoritären Herrschers, er trägt eher autonome Züge, weil sich Priesterschaft und Herrschaft in allen manifestiert. Es ist eine Revolution, sich der Macht und Verantwortung der Gottesgabe zu stellen und führt in eine gerechte, herrschaftsfreie Zukunft.

 

18.11.18

"Du Opfer!"

In einigen Schulen ist das als verbotenes Schimpfwort absolut untersagt wie der gezeigte Mittelfinger und in unserer Religion bezeichnet es die höchste Form der Hingabe. Vielleicht verstehen ironischerweise die mobbenden Jugendlichen den Skandal des Wortes besser als manch Frommer, verstehen es in umgekehrter Sicht zu Paulus in der heutigen Lesung. Ein Opfer ist laut Jesus und seiner ersten AnhängerInnen nach dem Tod am Kreuz nicht mehr nötig, denn nach der Sündenvergebung braucht es kein Sündopfer mehr (Hebr 10,18). Das Opferbringen ist die nicht überbietbare Machtausübung über ein Geschöpf, dem alle Rechte entzogen werden (auch das Recht auf Leben). Diese ultimative Demütigung verstehen die heutigen pöbelnden Täter sehr wohl. Dazu im krassesten Kontrast steht die Hingabe Jesu, der sich bewusst zum Opfer stilisieren lässt. Wir ChristenInnen sollten also mit dieser Rede nicht leichtfertig und inflationär umgehen. Wir sind die ZeugInnen des Einen der spricht: "Ich Opfer!".

 

11.11.18 (Martin)

Martin - "Kinderkram" und "Global Player"

In welcher Demo wäre St. Martin heutzutage dabei? Welche Parolen würde er den Mächtigen im Lande zurufen? Wer würde das Liebesmahl und die Danksagung an seinem Altar mitfeiern?

Die heutigen Demos unter dem Titel "Martinsumzug", die leider in einigen Gegenden gegen die beschaulichen, inhaltslosen Lichterumzüge getauscht werden, zeigen die abendländisch christlich jüdischen Wurzeln mit ihrem unüberhörbaren Auftrag: in den Armen und Entrechteten begegnet uns Christus selbst und fordert unser Handeln.

Wenn wir sie am Wegesrand erfrieren lassen, haben wir die Himmelreichbotschaft Jesu nicht verstanden. So ist jeder Martinsumzug eine wunderbare Katechese, dass unsere Kinder sehen, wie wir mit gesellschaftlichem Leid umzugehen haben. Nicht wir suchen den Nächsten für die Liebe aus, sondern die Not bestimmt, dass jemand Hilfe braucht. Nicht unser Überfluss ist das Maß, sondern das Halbieren des ganzen Mantels gilt für die Erde.

St. Martin, der antike Bischof, ist ein Leuchtturm gegen Armutsfeindlichkeit und Sozialbetrüger wie die Cum-Ex-Gewinner. St. Martins Haltung wäre der pefekte Mantel für einen Global Player, der sich Jesu Idee ins Herz gesungen hat mit kindlichen Martinsliedern.

 

 4.11.18

"Sch'ma Jisrael"

"Höre Israel!" wird im Judentum zweimal am Tag gebetet und rahmt diesen ein, damit jeder Tag ganz wörtlich im Namen Gottes seinen Sinn, seine Liebe und Richtung findet. Dieses Bekenntnis der heutigen Lesung (Deuteronomium 6,4) ist dabei das Ankerstück, das monotheistische Testament (ein Gott-Glauben), das schon vor unserer Zeitrechnung ein philosophisches und theologisches Zeugnis ablegt, von dem wir bis heute lernen können. Einfach, klar und herausfordernd: unser Gott, Jahwe ist einzig. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft. Diese Worte, auf die ich dich heute verpflichte, sollen auf deinem Herzen geschrieben stehen.

Was hat das mit uns ChristInnen zu tun? Unser Jesus, der fromme Jude, gibt im heutigen Evangelium (Mk 12, 28 ff) diese Wahrheit an alle, die ihm folgen, an uns weiter: widme Herz und Verstand dem einzigen und liebenden Gott! "Sch`ma Werne!"

 

 

14.10.18

Gottes Reich und Reichtum

Im heutigen Evangelium (Mk10,17-30) steckt der Stachel für alle, die in unserer Gesellschaft reich sind ... und das sind die meisten. Schon zu Jesu Zeiten - wahrscheinlich zu allen Zeiten - führte der Reichtum dazu, dass das Abgeben und Verschenken offensichtlich schmerzhaft und schwer war. Der Verzicht aus dem Überfluss heraus war und ist einfach sichtbarer und spürbarer. Jesus sieht das äußere Hindernis als psychologisches Hindernis, denn je mehr einer besitzt, um so höher wächst seine Verantwortung für das Ganze. Entsprechend sind heute die westlichen Gesellschaften der Nordhalbkugel genau in diesem biblischen Konflikt. Unser Wirtschaften hat nicht nur die äußeren Folgen der Ausbeutung, sondern gleichzeitig die innere Verhärtung und Entfremdung zu Gott zur Folge. Das biblische "Kamel", das nicht durch das Nadelöhr passt, sind wir. Es sei denn, wir verstehen die heutige alttestamentliche Lesung der Weisheit. Ihr Schatz verändert den materiellen Schatz, damit Reichtum ein Teil des kommenden Gottes Reiches werden kann.

 

23.9.18 (Firmungen)

"Ist da jemand?!"
Adel Tawil stellte in seinem Lied stellvertretend für ca. 100 Jugendliche immer wieder die Frage nach dem Anderen, nach dem Heil, nach Gott. Dieses Lied war Motto gebend für die Vorbereitungszeit der drei Firmmessen jetzt am 22.9. um 15 Uhr und 18 Uhr in der Kirche Maria Frieden und um 10 Uhr in der Kirche St. Johannes. Weihbischof Zekorn wird die Antwortversuche der halbjährigen Katechese auf diese Frage hin würdigen und den Jugendlichen Gottes Geist zusprechen.
Auch in dem Liedtext von Adel Tawil sind die Antwortmöglichkeiten schon kraftvoll und geistvoll gegeben. Mit einem Katecheseteam aus acht Ehrenamtlichen wurden genau diese im echten Leben 2018 in Werne mit den jungen Menschen ausgelotet.
Die existentiellen Fragen nach Leben, Tod, Gerechtigkeit, eigener Sexualität und gesellschaftlicher Verantwortung waren eingebettet in unterschiedlichste Gottesdienstformen von Bußandacht bis Messe, von Kommunionfeier bis zum einfachen Gebet.
Durch ein vielseitiges Netzwerk mit Ärzten, Hospizmitarbeiterinnen, Bestattern, JVA Mitarbeitern und vielen anderen Fachkundigen konnten die Jugendlichen feststellen, dass sie mit Fragen und Antworten nicht alleine unterwegs sind. Sie konnten spüren, dass Gottes Geist eine wahrhaft lebenslange Quelle von Frage und Einsichten bereithält.
Mit Dank an alle Mitwirkenden und einem herzlichen "Vergelts Gott"! Manfred Hojenski

 

 16.9.18

Ökumenisch gelöst....
... ist das Thema der Werkgerechtigkeit schon lange, bei der es darum geht, was uns Menschen eigentlich zu Gott bringt. Der biblische Befund auch beim heutigen Paulustext lässt weder eine menschengemachte Seligkeit noch eine göttlich vorherbestimmte Seligkeit zu. Lange schon sind sich die großen Kirchen einig, dass es Gottes Gnade ist, die unser Leben auf die richtige Spur setzt und wir dann gar nicht anders können, als auch so zu handeln. So wie bei Paulus wird bis heute klar, dass ein innerer Impuls nicht innerlich verkümmern kann. Sehen wir auf viele unserer Ehrenamtliche, passiert genau das. Die christliche Überzeugung führt ins Handeln und richtet Gutes an. Ein Gegensatz zwischen sich-Gott -anzuvertrauen und in-der-Welt-Heil-bringen ist eine akademische Diskussion. Seit Luther gilt für alle, dass Gott der liebevolle Ermöglicher ist und wir nach dieser Erkenntnis gar nicht anders können, als darauf mit unserem tätigen Glauben zu antworten.

 

9.9.18

"Option für die Armen"
In der heutigen Jakobuslesung befindet sich eine der Quellen für die oben genannte Zentralthese der politischen Theologie. Mein Professor der Fundamentaltheologie Jean Baptist Metz, gerade 90 Jahre alt geworden, war einer der verdichtenden Denker und Prediger dieser Richtung. Unsere Glaubenspraxis muss sich am Umgang mit der Armut vor Ort und global als jesuswürdig erweisen. Das führte damals wie heute zur viel kritisierten Nähe zu gesellschaftspolitischen Tendenzen. Damals wie heute aber musste sich die Botschaft vom Reich Gottes einfach dort positionieren, wo sie inhaltlich hingehörte. Nur so wurde und wird sie ihrem befreienden Auftrag gerecht und die Kirche muss im guten Sinne parteiisch sein für die Armen und Entrechteten.

Impulse

Die Geistlichen Impulse, die Sie in dieser Übersicht finden, führen Sie durch das Kirchenjahr. Verschiedene Autoren geben Denkanstöße und bieten Ruhepole.

 

Impulse im Advent

 

Adventskalender

 

Impulse zur Fastenzeit:

 

Impulse zur Karwoche - Kreuzweggedanken:

 

Impuls zu Ostern

 

Impulse zur Osterzeit

 

Impuse zu Pfingsten

 

Impuls zum Dreifaltigkeitssonntag

 

Imulse zu Fronleichnam

 

Impuls zu Allerheiligen

 

Von Christkönig zum ersten Advent

  • Weltuntergang
  • Der Tod Jesu
  • Gerechtigkeit und Barmherzigkeit
  • Das Gericht
  • Die Gestalt dieser Welt vergeht
  • Wer regiert die Welt?

 

Foto: Michael Bönte, Kirche+Leben