Die Ehe

 

  • Zwei verschlungene (Ehe-)Ringe im oberen Bildfeld,
    dazu zwei Ähren als Symbole der Fruchtbarkeit

  • Fünf Heilige im unteren Bildfeld: Monika von Tagaste, Heinrich und Kunigunde, Joseph von Nazaret mit Jesuskind


Die christliche Ehe gilt unter anderem als Gleichnis für den Bund von Jesus mit seiner Gemeinde verwendet (Eph 5,31–32). Für eheliche Treue steht die „Josephsehe“ des Kaiserpaares Heinrich und Kunigunde. Die Heiligen, die das Paar flankieren, veranschaulichen einen anderen Aspekt der Ehe, die Elternschaft: Monika als Schutzpatronin der Frauen und Mütter, Joseph als Nährvater Jesu.


Als Kunigunde um 999 herum Heinrich heiratete, war dieser noch Herzog von Bayern. Es folgte der Aufstieg zum König und Kaiser (1014). Das tief religiöse Paar führte für seine Zeit eine durchaus gleichberechtigte Ehe: Kunigunde vertrat ihren Mann bei Regierungsgeschäften und wurde in Urkunden als „consors regni“, als „Mitgestalterin der Reichspolitik“, geehrt. Der Heiligsprechung der beiden waren jedoch Legenden zuträglicher. Danach soll sich das kinderlose Ehepaar gegenseitige Keuschheit gelobt haben. „Wahrscheinlich wurde damit aus der Kinderlosigkeit nachträglich eine Tugend gemacht“, vermutet Pfarrdechant Jürgen Schäfer.


Monika von Tagaste (um 330–387), die Mutter des Kirchenvaters Augustinus, bekehrte durch ihren vorbildlichen Lebenswandel ihren Ehemann Patricius, einen römischen Beamten. Weniger Erfolg verbuchte Monika bei ihrem umtriebigen Sohn Augustinus. Der führte ein lockeres Studentenleben und lebte zeitweise in wilder Ehe. Der Legende nach soll Monika viele Tränen um ihn geweint haben. Schließlich bekannte sich Augustinus doch noch zum Christentum, allerdings unter dem Einfluss des von ihm verehrten Kirchenlehrers Ambrosius. Trotzdem gilt Monika aufgrund ihrer hartnäckigen Bemühungen um seinen Seelenfrieden als Patronin der Frauen und Mütter.


Joseph wurde als nicht-leiblicher Vater von Jesus bis ins hohe Mittelalter hinein von Malern und Bildhauern vernachlässigt. Szenen der Geburt Christi beschränkten sich auf Mutter und Kind. Wenn Joseph dabei sein durfte, wurde er in den Hintergrund gedrängt. Dort zeigte er sich allerdings als engagierter Hausmann: Er kochte Baby-Brei, blies Feuer an und trocknet Windeln am Feuer. Im 15. und 16. Jahrhundert stieg Joseph vom Nährvater zum Oberhaupt der Heiligen Familie auf. Indem sie Joseph mehr und mehr neben Maria und dem Christuskind in den Vordergrund rückte, trug die bildende Kunst einer zunehmenden Josephsverehrung in der Volksfrömmigkeit Rechnung.

 

Text: Dr. Anke Barbara Schwarze