Krankenhauskapelle

Adresse der Krankenhauskapelle

für Routenplaner etc.:

Am See 1 (direkter Zugang auch vom Krankenhaussee möglich)

59368 Werne

Seelsorge im Krankenhaus

Seit das St. Christophorus-Krankenhaus 1858 mit Franziskaner-Schwestern im Domhof seinen Anfang nahm, ist Seelsorge ein wichtiges Glied in der Therapie-Kette. Fast 150 Jahre lang waren ausschließlich katholische Seelsorger zur Stelle, wenn es die Patienten wünschten. 2006 nahm – trotz der nach wie vor katholischen Bindung des Hauses – eine evangelische Pfarrerin ihren Dienst als Seelsorgerin auf. Überdies lädt die Kapelle im Sockelgeschoss des Krankenhauses zu Einkehr und Besinnung ein. Regelmäßig finden dort Gottesdienste statt, jeweils Montag, Donnerstag und Samstag ab 18.30 Uhr. Patienten, die nicht in der Lage sind, die Kapelle aufzusuchen, können die Kommunion auf den Stationen empfangen.

 

Natur und christliche Sinngebung

 

Die liturgisch-künstlerische Integration der Krankenhaus-Kapelle wurde bei der Grundplanung des Krankenhauses Anfang der 1970er-Jahre besonders berücksichtigt. Allen Verantwortlichen war klar, dass gerade die Gestaltung eines solchen Raumes tief ins therapeutische Geschehen eingreift. Bei der Planung der unmittelbar am Krankenhaus-See gelegenen Kapelle wurde großer Wert darauf gelegt, die Natur in christlicher Sinngebung einzubeziehen.

So erfährt das Element „Wasser“ – die Kapelle liegt fast auf einer Halbinsel – in einer über vier Meter hohen Christophorus-Figur seine Überhöhung. Diese Figur des Hauspatrons steht bis zu ihren Waden mitten im See, etwa zwischen der Kapelle und ihrem jenseitigen Ufer. Es scheint, als schreite Christophorus der Kapelle entgegen. Die Plastik aus Bronze und Edelstahl ist so gestaltet, dass Vögel den Baum in ihrer linken Hand als Sitzplatz nehmen können. Auf seinem rechten Arm trägt Christophorus das Christuskind.

 

Lichtdurchfluteter Kirchenraum

 

Die Verglasung der Kapelle gibt einen weiten Blick in die umgebende Natur frei. Außerdem schafft sie einen lichtdurchfluteten Raum. Die ursprüngliche Ausstattung der Kapelle stammt von dem westfälischen Künstler Heinrich Gerhard Bücker. Er verwendete natürliche Elemente mit christlicher Symbolik, darunter einen versteinerten Fisch und einen spiralförmigen Schneckenquerschnitt auf der Vorderseite des Tabernakels.

Im Fußboden wurde rechts neben dem Altar ein großes quadratisches Feld ausgespart, welches der Kapelle durch eingefügte Kieselsteine und kleine Findlinge einen besonderen Akzent verlieh. Auf dem mittleren Felsen stand freischwebend eine kleine Marienfigur. Bezug zur Kapelle hat bereits der Eingangsbereich des St. Christophorus-Krankenhauses – durch eine runde Meditationsscheibe mit Christusdarstellung und die große Bilderbibel, beides ebenfalls Werke von Bücker.

 

Neugestaltung der Krankenhaus-Kapelle

2015 wurde die Kapelle umfassend renoviert und umgestaltet. Die natürlichen Elemente, die Bücker verwendet hatte, entsprachen nicht mehr dem hygienischen Standard des Krankenhauses. So wurde der Filzboden durch Fliesen ersetzt; auch Felsen und Holzmensa verschwanden. Als Glücksfall für die St. Christophorus-Gemeinde erwies sich die Tatsache, dass die Münsteraner Clemensschwestern zum Zeitpunkt der Kapellenrenovierung ihre Exerzitienkirche hinter der Raphaelsklinik auflösten.

„Wir konnten von Ihnen den Altar, den Ambo und den Priestersitz übernehmen, dazu eine Stele vom Tabernakel und ein Podest“, sagt Pfarrdechant Jürgen Schäfer. Alle Objekte sind aus Carrara-Marmor gefertigt und bilden nun eine einheitliche Ausstattung in der Krankenhaus-Kapelle. Auch eine neue Orgel fand sich: Sie stammt aus dem aufgelassenen Kloster der Armen Clarissen am Aasee in Münster.

Harmonische Einheit von Alt und Neu

Auch nach der Umgestaltung der Kapelle blieb die ursprünglich intendierte Auflösung von Innen- und Außenraum gewahrt. So verwischt der Holzsteg vor der breiten Fensterfront die Trennung zwischen Kapellenraum und Krankenhaus-See. Gekonnt wurden außerdem alte und neue Elemente verbunden. Das Podest aus der Exerzitienkirche in Münster dient als Sockel für eine Holzstatur des Krankenhaus-Patrons Christophorus aus den 1950er-Jahren. In die neuen isolierten Fenster wurde die ursprüngliche Bleiverglasung von Bücker wieder eingebaut.

Der mit Versteinerungen verzierte Tabernakel von Gerhard Bücker wurde auf eine der Marmor-Stelen aus Münster gestellt; Bückers Altarkreuz wurde einem modernen Metallkreuz vorgeblendet. An der Fensterseite zum Krankenhaus-See ließ Pfarrdechant Jürgen Schäfer die Nachbildung einer berühmten spätgotischen Marienfigur aufstellen, der Krumbacher Madonna. Die Nachbildung wurde von einem Holzschnitzer aus Oberammergau gefertigt. „Sie wird sehr gut angenommen, davor brennen ohne Ende Kerzen“, sagt Schäfer.

Glocke aus altem Krankenhaus läutet wieder

 

Die Fensterfront am Durchgang zur Kapelle spannt einen Bogen in die Geschichte der Werner Krankenhäuser: Hier wurden 100 Jahre alte Fensterbilder eingelassen, die aus der Kapelle des 1911 gebauten Krankenhauses an der Burgstraße stammen. An seiner Stelle stehen heute die Gebäude der St. Katharina Wohn- und Pflegegemeinschaft.

Die kleine Madonnenfigur auf dem Felsen, der vor der Renovierung einen Mittelpunkt der Kapelle bildete, fand eine neue Heimat ein einem Innenhof am Durchgang. In diesem Innenhof hing bis zur Renovierung eine Glocke aus dem Krankenhaus an der Burgstraße ungenutzt herum. Sie wurde im Zuge der Umgestaltung an der Kapellenaußenwand zur Seeterrasse hin montiert. Seitdem läutet sie wieder zu den Gottesdiensten.

 

Text: Dr. Anke Barbara Schwarze