St. Konrad

Die St. Konrad Kirche wurde am 01.07.2018 profaniert und wird nun zu Büroräumen der Zentralrendantur (ZR) und einer Kapelle umgebaut.

Adresse der Kirche St. Konrad für Routenplaner etc.:

Stockumer Str. 180

59368 Werne

Ein Fahrradkorso für den Pfarrer:
Die Geschichte von St. Konrad

1951 war der Evenkamp das dichtest besiedelte Gebiet in Werne. „Eine Haushälfte hatte vier Zimmer – je zwei oben und unten, darunter die Wohnküche“, erinnerte sich eine Anwohnerin, die als Jungverheiratete bei der Familie ihres Mannes an der Lippestraße wohnte, direkt an der Kleinbahn zwischen Werne und Ermelinghof. Sie war in jenem Jahr in einer Notkirche in den ehemaligen Baracken des russischen Gefangenenlagers getraut worden. Vor dem Kirchenbau von St. Konrad gab es kein anderes Gotteshaus im Evenkamp. Dabei wuchs diese Siedlung stetig, seit die Zechenbetreiber, der Georgsmarienverein, im September 1911 bei der Stadtverwaltung den Antrag auf den Ausbau der Kolonie gestellt hatten.

Wirtschaftskrisen verhindert Kirchenbau

Schon 1920 hatte Dechant Tenhagen einen Kirchbauverein für den Evenkamp gegründet. Die Gelder, die der Verein aufbrachte, wurden jedoch von der Inflation aufgezehrt. Trotzdem waren die Gläubigen im Evenkamp schon 1938 wieder in der Lage, Material für den dringend notwendig gewordenen Kirchenbau anzuschaffen. Die antikirchlich eingestellten Nationalsozialisten lehnten jedoch die notwendigen Baugenehmigungen ab.

1948 kam der nächste Rückschlag: Die gesammelten Gelder fielen der Währungsreform zum Opfer. Einen ersten Erfolg verzeichneten die Gläubigen dann 1949: In einer der ehemaligen Baracken für russische Zwangsarbeiter konnte eine kleine Notkirche eingerichtet werden. Das Lager hatte im Zweiten Weltkrieg mitten im Evenkamp gelegen, hinter dem Kleinbahnhof an der Lippestraße/Waldstraße. Die Gefangenen wurden zu Arbeiten im Bergbau eingesetzt.

Obwohl es verboten war, gaben die Bergarbeiterfrauen ihren Männern oft Stullen für die Kriegsgefangenen mit. Und ihre Kinder brachten ab und an ein paar Pellkartoffeln zu den Baracken, wenn zu Hause für die Schweine gekocht wurde. Dafür gaben ihnen die russischen Zwangsarbeiter kleine Spielsachen, die sie aus Holz oder Schießdraht gebastelt hatten.




Notkirche zu Ehren des Konrad von Parzhaim

Die Notkirche war zu Ehren des heiligen Konrad von Parzhaim geweiht worden. Dieser heilige Konrad war ein Laienbruder des Kapuzinerordens. Er lebte von 1818 bis 1894. Seit 1849 diente er als Pförtner im Kapuzinerkloster Altötting. Eine arbeitsreiche Aufgabe, denn die Kapuziner betreuten die Pilger des vielbesuchten Wallfahrtsortes. Die Wallfahrer verehrten den frommen Pförtner, der sich aufopfernd um sie kümmerte. 1934 wurde er heilig gesprochen.

St. Konrad wird selbstständige Pfarrgemeinde

Am 1. Mai 1949 wurde das jahrelange Bemühen der katholischen Christen im Osten von Werne belohnt: An diesem Tag wurde das Rektorat St. Konrad eingerichtet. 1955 legte der Münsteraner Weihbischof Heinrich Roleff den Grundstein für die heutige Kirche St. Konrad. Im weiteren Verlauf des Kirchenbaus legten die Gläubigen immer wieder selbst Hand an. Die Kirchweihe erfolgte am 1. Mai 1958 durch den Bischof von Danzig, Dr. Karl-Maria Splett. Er war der Heimatbischof des ersten Pfarrers von St. Konrad, Max Wiese. 1959 erhob das bischöfliche Generalvikariat Münster das Pfarrrektorat St. Konrad zur selbstständigen Pfarre. Die Notkirche wurde für kurze Zeit von der evangelischen Kirchengemeinde übernommen.

Ehrenamtliches Engagement

Max Wiese, ein gebürtiger Ostpreuße, blieb bis zu seinem Tod am 26. August 1963 in Werne. Ihm folgte 1964 der aus Münster stammende Paul Hennemann, der zusammen mit seiner Schwester Carla in seiner über 30-jährigen Amtszeit als Gemeindepfarrer zu einer Institution in St. Konrad werden sollte. In seine Amtszeit fiel unter anderem 1989 die Gründung der Tschernobyl-Kinderhilfe, die über eine Initiative der Gemeinde St. Konrad entstand. 1995 wurde der Verein als "Humanitäre Tschernobyl Kinderhilfe Werne/Lünen" neu gegründet.

Mit einem Fahrradkorso empfingen am 24. September 1995 etwa 60 Mitglieder der Kirchengemeinde St. Konrad ihren neuen Pfarrer Hans Schmeinck. Der 39-jährige passionierte Radfahrer trat die Nachfolge von Pfarrer Hennemann an. Pater Peter Hannappel wurde am 11. September 1999 in sein Amt als neuer Pfarrer der Kirchengemeinde St. Konrad eingeführt. Der Arnsteiner Pater, der 1973 die Priesterweihe empfing, war in Werne bisher als Lehrer am Christophorus-Gymnasium tätig.

Eigeninitiative der Gemeinde

Seit den 1980 Jahren musste St. Konrad immer mal wieder renoviert werden, ein neuer Putz für die Wände oder eine Wärmedämmung für die Decke standen auf der Sanierungsagenda. Und wieder fühlten sich Gemeindemitglieder zuständig, transportierten beispielsweise im Lkw Kirchenbänke ab, die kostenlos in einer Firma der Umgebung gelagert werden durften. Einer Eigeninitiative der Gemeinde verdankt der Kirchenraum auch eine Hörschleife für Menschen mit Hörgeräten.

2005 kam das Ende der selbstständigen Pfarrgemeinde St. Konrad in Sicht. Die Vorbesprechungen für eine Fusion der drei östlichen Werner Kirchengemeinden liefen an. Die Wahl für den Ort des Festhochamts am 11. Juni des Jahres 2006 fiel auf St. Konrad, da die Kirche etwa in der Mitte der drei fusionierenden Gemeinden liegt. Pfarrkirche der neuen Gemeinde wurde aber St. Johannes. St. Konrad war zunächst eine so genannte Gottesdienststelle.

Profanierung und Umgestaltung von St. Konrad

2018 beschloss der Kirchenvorstand der Christophorus-Gemeinde schweren Herzens, St. Konrad zu entweihen. Der demographische Wandel und sinkende Einnahmen aus Kirchensteuern zwangen die Verantwortlichen zu der Entscheidung. Das Kirchenschiff wurde Ende 2018 abgerissen, an seiner Stelle entsteht ein Neubau für die Zentralrendantur Hamm-Nord/Werne/Lüdinghausen. Erhalten bleibt der Kirchenstandort St. Konrad dennoch – in Form einer Kapelle im Turm. Außerdem sollen im Neubau eine Sakristei und ein Gemeinderaum eingerichtet werden. „Der Altar und der Ambo sowie alle Kunstwerke aus dem alten Kirchengebäude werden sich wiederfinden“, sagt Pfarrdechant Jürgen Schäfer. Unter anderem solle das alte Kreuz vom Hochaltar neu gefasst werden.

 

Text: Dr. Anke Barbara Schwarze

Hier sind aktuelle Eindrücke des Umbaus

(Fotorechte: St. Christophorus)